Täglicher Impuls während der Corona-Zeit

Impuls vom 28./29. März 2020:

Am 5. Fastensonntag liest die Kirche das Evangelium von der Auferstehung des Lazarus. Jesus sagt von sich: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“ (Joh 11, 25). Wie lebe ich mit dieser Verheißung?

Mich dem Leben in die Arme werfen
Wir sind auf der Suche
nach einer Kraft,
die uns aus den Häusern,
aus den zu engen Schuhen
und aus den Gräbern treibt.

Aufstehen und
mich dem Leben in die Arme werfen –
nicht erst am jüngsten Tag,
nicht erst, wenn es nichts mehr kostet
und niemandem mehr weh tut.

Sich ausstrecken nach allem,
was noch aussteht,
und nicht nur nach dem Zugebilligten.
Uns erwartet das Leben.
Wann, wenn nicht jetzt?“

(Luzia Sutter Rehmann; ausgesucht von Alice Toporowsky, Pastoralreferentin)

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Impuls vom 27. März 2020:

Stroh zu Gold

Textzitat / Märchensammlung Gebrüder Grimm / Rumpelstilzchen:
„Es war einmal ein Müller, der war arm, aber er hatte eine schöne Tochter.  Nun traf es sich, dass er mit dem König zu sprechen kam, und um sich ein Ansehen zu geben, sagte er zu ihm: ,,Ich habe eine Tochter, die kann Stroh zu Gold spinnen." Der König sprach zum Müller: ,,Das ist eine Kunst, die mir wohlgefällt; wenn deine Tochter so geschickt ist, wie du sagst, so bring' sie morgen in mein Schloss, da will ich sie auf die Probe stellen." Als nun das Mädchen zu ihm gebracht ward, führte er es in eine Kammer, die ganz voll Stroh lag, gab ihr Rad und Haspel und sprach: ,,Jetzt mache dich an die Arbeit, und wenn du diese Nacht durch bis morgen früh dieses Stroh nicht zu Gold versponnen hast, so musst du sterben!" Darauf schloss er die Kammer selbst zu, und sie blieb allein darin. Da saß nun die arme Müllerstochter und wusste um ihr Leben keinen Rat; sie verstand gar nichts davon, wie man Stroh zu Gold spinnen konnte, und ihre Angst ward immer größer, dass sie endlich zu weinen anfing…“

Kommentar zum Textzitat:
„Stroh zu Gold spinnen“ – eine unmöglich zu lösende Aufgabe für die Müllerstochter. Bis in unsere Tage hinein stellt man Menschen vor eine solche Aufgabe. Von Angst und Verzweiflung ergriffen resignieren Betroffene, erstarren oder suchen nach Auswegen. Heilsbringer und Problemlöser tauchen auf; sie bieten ihre Dienste an, gegen Bezahlung selbstverständlich. Einige Anbieter nutzen die ausweglos scheinende Situation aus und führen damit noch tiefer in Not und Elend. Als lehrreiche Geschichten bleiben Märchen aktuell. Unser Leben ist kein Märchen. Wir leben real im Hier und Jetzt, mit unseren Sorgen, Aufgaben, Möglichkeiten und Begrenzungen.

Was Menschen unmöglich scheint, soll aber nicht unmöglich bleiben. Es heißt, es gäbe da noch jemanden, dem man sich anvertrauen dürfte, ganz gleich, welche Sorgen, Nöte und Aufgaben zu bewältigen anstehen. Da gäbe es noch jemanden, der Unmögliches möglich machen kann, aus „Stroh“  (Abfall, Wertlosem)  „Gold“ (Kostbares) schaffen könnte, wenn man sich auf ihn einließe, in jeder Lebenssituation und in jedem Anliegen. „Er“ würde nicht betrügen und ruinieren, heißt es. Vertrauen oder nicht vertrauen – jeder und jede von uns hat die Wahl: Mit Gott oder ohne Gott, in allem und jeden Tag. 

Ihre Ruth Winterscheidt, Gemeindereferentin, Bild- / Textauswahl, Kommentar

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Impuls vom 26. März 2020:

Eine Brache ist ein wirtschaftlich ungenutztes Stück Land.
In vergangenen Zeiten wurden Felder brach liegen gelassen, damit sie sich regenerierten. Brachzeiten erfahren wir auch in unserem Leben. Vielleicht gerade jetzt.

Brachzeit
Ich darf versuchen
die Knoten in meinem Leben
zu entwirren
aber ich muss nicht,
es ist Brachzeit.
Ich darf hinsehen
auf Geglücktes und Verdrehtes
aber ich muss nicht,
es ist Brachzeit.
Ich darf mich bemühen
um einen feinfühligeren Umgang
um eine differenziertere Wahrnehmung
um die Achtung meiner Grenzen
aber ich muss nicht,
es ist Brachzeit.
Ich könnte einfach einmal
bei mir bleiben
Knoten, Geglücktes und Verdrehtes liebhaben
und mein Leben nehmen
wie es ist. (Magdalena Froschauer-Schwarz)

Textauswahl/Foto, aufgenommen bei Schleiden: Ida Prinz-Hochgürtel

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Impuls vom 25. März 2020:

Hochfest der Verkündigung des Herrn

„Für Gott ist nichts unmöglich“ (Lk …). Das ist die Antwort des Engels Gabriel auf die Frage Marias, wie das denn gehen soll. Wie soll der verheißene Sohn Gottes in die Welt kommen – doch nicht etwa durch sie, ein junges, völlig unbedeutendes Mädchen aus einem kleinen „Kaff“ in Galiläa?

„Für Gott ist nichts unmöglich“ – das hat ein wenig von einem „Totschlägerargument“. Dagegen kann man nichts mehr sagen. Damit kann man alles begründen, jeden Einwand entkräften. Und doch ahne ich eine ungeheure Verheißung in diesen Worten. „Für Gott ist nichts unmöglich“ – das heißt für mich: Gott lässt sich nicht in die Schemata meines Denkens, meiner Logik pressen. Gott ist verborgen da – aber anders, als ich es mir vorstellen kann. Gott kann einen neuen Anfang machen, wo nach menschlichem Ermessen alles hoffnungslos ist. Wo wir mit unserem Latein am Ende sind, begleitet Er uns weiter – durch das Ende, durch Tod und Dunkel hindurch bis in das Licht der Auferstehung.

Bitten wir heute am Fest der Verkündigung des Herrn Maria um ihre Fürsprache, dass uns ein Fünkchen dieser Hoffnung aufleuchte.

Alice Toporowsky, Pastoralreferentin (Text/Foto; Marienstatue aus dem 15. Jahrhundert, Steinfeld)

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Impuls vom 24. März 2020:

Hermann-Josef-Dienstag (24. März 2020)

Es tut uns allen sehr leid, dass wir heute nicht in Steinfeld zusammenkommen können, um Gottesdienst zu feiern und anschließend ein gemeinsames Frühstück einzunehmen anlässlich des ersten Hermann-Josef-Dienstags 2020. Viele haben sich auf diesen Tag gefreut, nun ist die Freude getrübt. Doch wir können heute ein Gebet sprechen und diesen Impuls verinnerlichen:
Ein Mensch, der sehr gut zwei Welten, die himmlische und die die irdische Welt, miteinander verbinden konnte, war der Heilige, den wir in Steinfeld besonders verehren - der hl. Hermann Josef. Mit zwölf Jahren kam Hermann in das Prämonstratenserkloster nach Steinfeld. Nach Vollendung der üblichen Studien wurde er zum Priester geweiht. Zunächst betraute man ihn mit dem Dienst im Speisesaal. Im Widerstreit seines Herzens zwischen der Pflicht zu äußerer Arbeit und dem Verlangen nach betrachtendem Gebet gab ihm seine himmlische Mutter die wegweisende Lebensdevise, „den Mitmenschen in Liebe zu dienen“. Und seiner Lebensbeschreibung können wir entnehmen, dass er sich ganz und gar Gott und seinen Mitmenschen in den Dienst stellte. In kleinen gewöhnlichen Aufgaben, wie der Dienst im Refektorium oder in der Sakristei, hat er immer die Größe des Menschen gesehen. Sein Lebensraum war das Kloster. Im Kloster Steinfeld fand er die Stätte der Heiligung und der Erfüllung des Lebens. Er war einfach für die Menschen da. In seiner Nähe fanden die Menschen Güte, Verständnis, Hilfsbereitschaft und Treue. Die alltäglichen Werke der Liebe und das betrachtende Gebet waren für den Heiligen Hermann-Josef heilig.

Auf die Fürsprache des hl. Hermann Josef von Steinfeld, wollen wir uns im Gebet vereinen und in aktuellen Anliegen der heutigen Welt beten:
Du Gott aller Freundlichkeit und Güte,
in dieser Zeit voller Angst und falscher Behauptungen,
voller Elend und vergessener Opfer,
aber auch die Zeit von Menschen,
die ihre Hoffnung teilen und für deine gute Nachricht eintreten,
rufen zu dir und bitten:
Guter Gott, erbarme dich!
Für die Opfer des Corona-Virus,
das inzwischen alle Welt herausfordert,
für die mutigen und ausdauernden Helferinnen und Helfer,
Pflegerinnen und Ärzte, Einsatzkräfte und Entscheider,
für alle, die selbst voller Angst sind,
für die, die wider alle Vernunft und Einsicht Panik verbreiten,
für diejenigen, die aufklären, informieren und beraten,
oft gegen viele Widerstände,
für sie alle rufen wir zu dir und bitten:
Guter Gott, erbarme dich!
Für die Bedrängten und Verzweifelten an der griechisch-türkischen Grenze,
missbraucht für Interessen menschenverachtender Politik,
alleingelassen durch ein Europa,
das sich gerne auf seine Werte beruft,
zu all' dem noch als Zielscheibe von Rechten und Fremdenfeinden:
für sie alle rufen wir zu dir und bitten:
Guter Gott, erbarme dich!
Für die Opfer von Menschenhandel und Unterdrückung,
missbrauchte und ausgebeutete Frauen und Kinder weltweit,
aber auch bei uns,
dass sie ihre Geschichten erzählen können
und ihr Leid endlich gehört wird in Justiz und Verwaltung,
aber auch in deiner Kirche und in dieser Gemeinde,
dass Täter und Täterinnen überführt und zur Rechenschaft gezogen werden,
darum rufen wir zu dir und bitten:
Guter Gott, erbarme dich!
Verleih' uns Frieden gnädiglich,
du Gott, in diesen Zeiten,
rette die in Ängsten und Nöten gefangen sind,
uns aber und allen Menschen guten Willens
schenke Einsicht in die Klarheit deiner Botschaft,
die uns an die Seite derer stellt,
die auf Hilfe hoffen.
Lass' sie und uns alle nicht vergehen,
nicht in Übermut, nicht in Verzweiflung.
Sei du selbst unser starker Fels!
Wir rufen zu dir und bitten:
Guter Gott, erbarme dich!

(Fürbitten aus „Brot für die Welt“)

Pater Wieslaw Kaczor, SDS, Pfarrer und Leiter der GdG Steinfeld (Text/Foto; Grab des hl. Hermann Josef, Steinfeld Basilika)

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Impuls vom 22. März 2020:

Ora et labora - Bete und arbeite

Diese Redewendung verbinde ich mit klösterlichem Leben. Ordensfrauen und -männer arbeiten während bestimmter Zeiten und treffen sich ebenfalls zu festgelegten Zeiten zum gemeinsamen Beten. Diese spätmittelalterliche Regel lässt die Ordensleute in einem rhythmischen Wechsel, zwischen Aktivität und zur Ruhe kommen und sich Gott anvertrauen, leben. Der moderne Begriff dafür: Work-Life-Balance. Gerade in Zeiten einer Krise kann ein Ausgleich zwischen Arbeit, sich Sorgen machen und einer Zeit, um durch Ruhe und Meditation Abstand zu gewinnen und aufzutanken, sich anzuvertrauen, hilfreich sein.

Wie kann eine solche Ruhe- oder auch Gebets-/Meditationszeit gestaltet werden?

1. Ich finde meine Zeit
Es soll eine Zeit sein, in der es die Lebensumstände am besten zulassen, die in meinen Tagesrhythmus passt. Gerade zu Beginn kann es sinnvoll sein, diese Zeit festzulegen und sich auch einen Wecker für die Dauer der "Ruhezeit" zu stellen. „Fünf Minuten“ sind für viele Menschen ein guter Einstieg.

2. Ich finde meinen Ort und meine Haltung
Ich suche mir einen Ort, an dem ich ungestört bin und an dem ich mich wohl fühle, er verhilft mir zur Sammlung. Das kann sein: Ein Zimmer, in dem ich zur Ruhe komme, eine Kirche; Ein Bild, ein Kreuz, eine Kerze, eine Blume, eine leere Wand - eine Sitzgelegenheit und eine Art zu sitzen, die mir hilft, gelöst, offen und wach da zu sein.

3. Ich finde Wege, um mich nicht ablenken zu lassen
Um zur Ruhe zu kommen, empfiehlt es sich: Das Telefon/Handy abzustellen beziehungsweise sich entscheiden, nicht an den Apparat zu gehen. Sich gegebenenfalls mit den anderen in der Wohnung oder im Haus abzusprechen, dass ich jetzt nicht gestört werden möchte.

4. Evtentuell lese ich einen Impuls, einen besinnlichen Text, eine Bibelstelle, ein Gebet, ein Lied - oder ich schaue auf einen Gegenstand und versuche mit meinen Gedanken dabei zu bleiben.
Es kann hilfreich sein, immer wieder den ausgewählten Text oder das, was ich anschaue, ins Wort zubringen ("Die Kerze schenkt Licht und Wärme.") und dies zu wiederholen, wenn ich merke, dass ich gedanklich abschweife. Manchen hilft es auch die Augen zu schließen und im Atemrhythmus innerlich still zu sprechen.

Probieren Sie es – genau wie ich – doch einfach, mehrfach oder täglich bis auf weiteres mal aus.

Ihre Ida Prinz-Hochgürtel               

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Impuls vom 22. März 2020:

Besinnung und Einkehr

"Stille und Ruhe bringen die ganze Welt in das richtige Maß zurück." (Laotse, Philosoph)

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Impuls vom 21. März 2020:

Vorsicht und Zuversicht

"Wir sollten alles gleichermaßen vorsichtig wie auch zuversichtlich angehen." (Epiktet, Philosoph)

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Impuls vom 20. März 2020:

Mein Licht

„Der Herr ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist die Kraft meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen? Dringen Frevler auf mich ein, um mich zu verschlingen, meine Bedränger und Feinde, sie müssen straucheln und fallen. Mag ein Heer mich belagern: Mein Herz wird nicht verzagen. Mag Krieg gegen mich toben: Ich bleibe dennoch voll Zuversicht. Nur eines erbitte ich vom Herrn, danach verlangt mich: Im Haus des Herrn zu wohnen alle Tage meines Lebens …“ (Psalm 27, 1-4b).

Feinde, die ihn bedrängen und zu vernichten drohen, machen dem Beter von Psalm 27 das Leben schwer. Und trotzdem lässt er sich davon nicht niederdrücken. All die Widrigkeiten nehmen nicht den obersten Platz in seinem Leben ein. Das Wichtigste für ihn ist, Gott zu suchen. Wie viel bringt mich in diesen Tagen aus der Fassung – die immer gravierenderen Einschränkungen des Alltags durch die Corona-Krise, die völlige Planungsunsicherheit, die Sorge um die Gesundheit meiner Angehörigen. All das ist schlimm und drückt mich nieder. Und dennoch ist Gott auch für mich „mein Licht und mein Heil“. Wir bleiben in Seiner Hand. Ich wünsche Ihnen allen etwas von der Zuversicht dieses uralten Gebets.

Alice Toporowsky, Gemeindereferentin (Text/Foto)

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Impuls vom 19. März 2020:

Josef

Nicht nur mein Vater hieß Josef, auch gleich unsere drei nächsten Nachbarn hießen Josef oder eben Jupp oder Jöösef, je nachdem wie man so sagte. In meiner Kindheit und Jugend wurde der Namenstag und nicht der Geburtstag gefeiert. Doch der Namenstag meines Vaters war in jedem Jahr ein wenig anders, da ein paar Verwandte nicht jedes Jahr erschienen. Sie besuchten abwechselnd auch noch eine Namenstagsfeier „von der anderen Seite“, also von der Verwandtschaft der Ehefrau oder des Ehemannes.

Damit die vielen Josefe besser unterschieden werden konnten, bekamen manche noch den Namen von Opa oder Pate dazu: wie der Franz-Josef, der Peter-Josef, der Heinz-Josef und selbstverständlich auch der Hermann-Josef. Überrascht war ich vor einigen Jahren, als ich ein Kind mit Namen Josef kennenlernte. Die Eltern hatten sich für einen sogenannten „alten“ Namen entschieden, was offensichtlich wieder häufiger vorkommt. Als Frau mit dem alten Namen Ida kann ich das bestätigen. Was bewegt Eltern, ihrem Kind den Namen Josef zu geben? Josef war Marias Mann, er wird als Ziehvater Jesu bezeichnet. Heute würden wir sagen, er war der soziale Vater Jesu. Josef von Nazareth ist außerdem der Patron der Arbeiter. Möglicherweise verbinden wir mit jemandem der Josef heißt, dass er ein fleißiger Mann ist, der sich um Frau und Kinder kümmert, der Verantwortung übernimmt und auch die Größe hat, niemanden bloßzustellen.

Wie ist oder war das bei Ihnen? An welchen Josef erinnern Sie sich? Wen besuchten Sie (alles) am 19. März, am Josefstag? Mit wem wollten Sie eigentlich im Jahr 2020 Namenstag feiern? Grüßen Sie ganz herzlich den Josef am Telefon oder über Handy, gratulieren Sie ihm (unbekannterweise) auch von mir und wünschen ihm Gesundheit, Wohlergehen und Gottes Segen!

Ihre Ida Prinz-Hochgürtel, Gemeindereferentin (Text)