Pater Jordan – eine Spurensuche (IV)

Seit 1923 sind im Kloster Steinfeld Salvatorianer tätig, seit 1916 schon Salvatorianerinnen. Der Gründer dieser Gemeinschaften, Pater Franziskus Jordan, wird am 15. Mai 2021 in Rom seliggesprochen. Anlass für eine Spurensuche – wer war P. Jordan? Und: kann sein Leben uns heute eine Wegweisung sein?

Folge 4: Weite
„Solange noch ein einziger Mensch auf Erden ist, der Gott nicht kennt und über alles liebt, darfst du keinen Augenblick ruhen.“ Diesen – für mein Empfinden „krassen“- Satz schrieb P. Jordan in sein Tagebuch. Was für eine unglaubliche Überzeugung muss in ihm gesteckt haben!

Allein war er mit seiner Begeisterung jedoch auf verlorenem Posten. Um möglichst viele Menschen in Berührung mit Gott und seiner frohen Botschaft zu bringen, wollte P. Jordan eine Gemeinschaft gründen. Am 8. Dezember 1881 machte er den Anfang und legte mit zwei Mitbrüdern Gelübde ab. P. Jordan schwebte keine Ordensgemeinschaft oder Kongregation im herkömmlichen Sinn vor. Seine „apostolische Lehrgesellschaft“ sollte verschiedene „Kreise“ umfassen: einen „inneren Kreis“ von Männern und Frauen, Priestern und Laien, die sich durch Gelübde an die Gemeinschaft binden; sodann ein „zweiter Kreis“ von „Wissenschaftlern, Künstlern, Journalisten usw., die ihre Arbeit in besonderer Weise in den Dienst der Kirche stellen wollten“ (P. Bernward Meisterjahn). Der „dritte Kreis“ war gedacht für Christinnen und Christen „aus dem normalen Leben“, die sich an ihrem jeweiligen Platz für das Reich Gottes einzusetzen versuchen. Im Grunde, fasst P. Bernward Meisterjahn zusammen, ging es P. Jordan darum, „aus jedem Christen einen Apostel zu machen“!

Was P. Jordans Denken auszeichnete, war eine ungeheure Weite. Die frohe Botschaft von der Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes wollte er überall verkünden- in allen Ländern der Welt, allen Schichten, Milieus und Altersgruppen.
Mich beeindruckt diese Weite. Ich selbst ertappe mich dagegen nicht selten dabei, wie ich in Schubladen denke und es vorziehe, mich abzugrenzen. Da gibt es Gruppen, mit denen ich nichts zu tun haben will, Themen, die ich ausblende, Menschen, die ich übersehe …
Und mich beeindruckt, dass P. Jordan andere nicht egal waren. Jeder war ihm wichtig; für jeden wünschte er sich, dass er (oder sie) mit Gott zu einem erfüllten Leben findet.

(Text: Alice Toporowsky, Foto: ebd. [Gemälde aus dem Pater-Jordan-Raum an der Klosterpforte Steinfeld])