Pater Jordan – eine Spurensuche (II)

Seit 1923 sind im Kloster Steinfeld Salvatorianer tätig, seit 1916 schon Salvatorianerinnen. Der Gründer dieser Gemeinschaften, P. Franziskus Jordan, wird am 15. Mai 2021 in Rom seliggesprochen. Anlass für eine Spurensuche – wer war P. Jordan? Und: kann sein Leben uns – mir? – heute eine Wegweisung sein?

Folge II: Berührt
Arbeiterinnen und Arbeiter, die an sechs Tagen in der Woche 14-16 Stunden täglich in Fabriken schuften und in viel zu kleinen Wohnungen hausen; verheerende hygienische Bedingungen; Kinder, um die sich keiner kümmert – das waren Eindrücke, die sich dem jungen Johann Baptist Jordan einbrannten, als er 1867/68 als Malergeselle durch Deutschland zog. Auf der „Walz“ erlebte er, dass der christliche Glaube bei der großen Mehrheit der ausgelaugten Arbeiter kaum noch eine Rolle spielte – ja: spielen konnte. „Das tiefste Erlebnis, das er von seiner Wanderschaft heimbrachte, war die Erkenntnis der religiösen Not der Menschen“, brachte es P. Bernward Meisterjahn auf den Punkt.

Die Armut und die Verwahrlosung der Arbeiterinnen und Arbeiter berührte ihn sehr, und er fühlte sich von der Situation persönlich herausgefordert. Er sah darin einen Auftrag Gottes an sich. Den Wunsch, Priester zu werden, hatte er nach Beendigung der Volksschule schweren Herzens begraben müssen, weil der Familie das Geld fehlte. Jetzt spürte er deutlicher als zuvor, dass Gott ihn – allen Hindernissen zum Trotz – zum Priester berufen wollte. Und mehr noch: Er war sich zunehmend sicher, dass er nicht allein gegen das Elend seiner Zeit kämpfen sollte. Immer stärker drängte sich ihm der Wunsch auf, eine Gemeinschaft zu gründen – einen Zusammenschluss von engagierten Katholiken, um den Menschen von Gott und seiner frohen Botschaft zu erzählen.
Ich frage mich, was P. Jordan wahrnehmen würde, würde er heute durch Deutschland reisen. Welche Not würde ihn besonders betroffen machen? Was wäre seine Konsequenz?
Und wie sieht es bei mir aus?

Auch mich berührt die Not von Menschen: das Leiden so vieler an Krankheit, Vereinsamung und Enge jetzt in der Corona-Pandemie. Der Druck, unter dem viele Menschen stehen, weil sie befürchten, nicht mithalten zu können. Kinder und Jugendliche, die gemobbt werden oder für die „Chancengleichheit“ ein Fremdwort ist. Die Fragwürdigkeit einer konsumorientierten Gesellschaft …
Da wünsche ich mir etwas vom Geist P. Jordans: seine tiefe Überzeugung, dass Gott nicht abwesend ist oder weit weg, sondern DA, für jeden einzelnen Menschen. Und ich wünsche mir die Bereitschaft P. Jordans, die Ärmel hochzukrempeln und mich zu engagieren, an dem Platz, an den Gott mich gestellt hat, und mit den Fähigkeiten, die ER mir geschenkt hat.

(Text: Alice Toporowsky, Pastoralreferentin; Fotot: ebd., Statue P. Jordans vor dem alten Gästehaus in Steinfeld von F. Seeboeck)