Zur Geschichte des Steinfelder Kalvarienbergs

Anders als vielfach angenommen, ist der denkmalgeschützte Steinfelder „Kalvarienberg“ nicht erst im 19. Jh. entstanden, sondern sehr viel älter. Zentrum dieser Anlage war ursprünglich die aus der Steinfelder Basilika stammende und jetzt wieder dort zu sehende Kreuzigungsgruppe mit Christus am Kreuz, flankiert von seiner Mutter Maria zu seiner Rechten und seinem Lieblingsjünger Johannes zur Linken. Dieser trägt ein Beutelbuch, das ihn einer nicht bewiesenen Tradition gemäß mit Johannes dem Evangelisten identifiziert. Es handelt sich um ein vom Denkmalschutz als „sehr gute Arbeit“ qualifiziertes Ensemble aus der Zeit um 1500, aus Eichenholz geschnitzt, gehöhlt bis in den Kopf und mit einem Werkbankloch im Schädel. Der Herstellungsort dürfte Fachleuten gemäß im Rheinland zu finden sein. Diese Kreuzigungsgruppe ist wohl identisch mit dem in älteren Quellen als „Kalvarienberg auf dem Chor“ (also über dem um 1500 existierenden Lettner) bezeichneten Triumphkreuz.
 
Schon im 17. Jh. fand diese Kreuzigungsgruppe ihre Aufstellung am Ort des jetzigen Kalvarienbergs an der Klostermauer, und zwar in einer Schutznische aus Brettern. Erst im 19. Jh. wurden zur rechten und linken Seite dieses Ensembles zwei Steinpfeiler aufgemauert, die die Überdachung durch ein neues, großes Schutzdach erlaubten. Außerdem wurde diese neue Schutznische durch vier große Türflügel verschließbar gemacht. In zwei Absätzen (wie heute noch) führten Stufen vom Straßenniveau zu diesem als Prozessionskreuz genutzten kapellenartigen Bau hinauf. Anfangs stand das Holzkreuz auf der Altarmensa. Später wurde es erhöht angebracht.
 
Von dem Denkmalpfleger Ernst Wackenroder erfahren wir, dass diese Kreuzigungsgruppe im Jahr 1928 farblich neu gefasst wurde. In den späten 30er Jahren dürfte eine bildhauerische Restaurierung durch den Salvatorianer Bruder Albert (Wilhelm Jakob) erfolgt sein, wie aus den Akten unseres Steinfelder Pfarrarchivs hervorgeht. Ausweislich einer Abbildung in einem alten „Wander-Lehrbüchlein“ war die Kreuzigungsgruppe um 1941 wieder an ihrem Platz an der Straße. In den frühen Nachkriegsjahren muss dann ein Umdenken eingesetzt haben. Das kunsthistorisch wertvolle Ensemble aus der Zeit um 1500 sollte nicht länger der Witterung ausgesetzt sein und wurde deshalb in die Vorhalle der Basilika versetzt. Erstmals in einem Bildband abgebildet finden wir sie dort 1951.
 
Mit dieser vor 1951 erfolgten Sicherstellung der kunsthistorisch wertvollen Arbeit war nun unmittelbar verknüpft die Notwendigkeit einer Ersatzlösung für den leeren Bildstock an der Außenmauer des Klosters in der Nähe der Straße. Hier behalf man sich kurz nach dem Krieg mit einem aus Brettern zusammengenagelten Holzkreuz, innen hohl, auf dem ein gegossenes Christuskorpus, aus wasserresistentem unbekannten Material, innen ebenfalls hohl, ohne Farbfassung montiert wurde. Da das denkmalwürdige ursprüngliche Kunstwerk nicht mehr an diesen Ort zurückkam, wurde aus der künstlerisch wertlosen Interims-Lösung eine Art Dauerlösung, die aber wegen der starken Beschädigungen an verschiedenen Stellen früher oder später eine Alternative verlangte. Daher beschloss der Pfarrer im Jahr 2020 nach Beratungen mit dem Pfarreirat der Kirchengemeinde, dieses wertlose Kreuz abzunehmen und es nach der Fertigstellung neuerlicher Malerarbeiten durch das gleich große, schöne holzgeschnitzte Altarkreuz der ehemaligen Wahlener Kapelle zu ersetzen.
 
„SEHT, DAS HOLZ DES KREUZES, AN DEM DAS HEIL DER WELT GEHANGEN. – KOMMT, LASSET UNS ANBETEN.“
 
Text: Helmut J. Kirfel
Fotos: Manos Meisen, P. Wieslaw Kaczor SDS, Gudrun Klinkhammer