Spezialitäten in Steinfeld: Die Großen des Anfangs

Für den 15. Mai 2021 ist die Seligsprechung Pater Jordans angekündigt, des Gründers der Salvatorianer und Salvatorianerinnen. Sie wird zelebriert in der römischen Bischofskirche des Papstes, der Lateranbasilika, die sowohl Johannes dem Täufer als auch dem Evangelisten Johannes geweiht ist. Bis dahin werden wir noch manches über den neuen Seligen hören.
Aber wie bei allen großen Werken kann nie nur einem als einem Einzelgänger ein solcher Erfolg wie die Gründungen Jordans zugeschrieben werden. Er hat immer treue Mitarbeiter und Zuarbeiter. In Steinfeld erinnern mehrere plastische Kunstwerke an P. Franziskus vom Kreuze (Johann Baptist) Jordan, aber auch an einige von P. Jordans wichtigste Kooperatoren.
 
P. Jordan findet sich als lebensgroßes bronzenes Standbild vor dem „alten Gästehaus“ im Haupthof des Klosters. Es wurde gegossen nach einem Modell des Künstlers Ferdinand Seeboeck (1864-1952). Anlässlich des 100. Jahrestags von Jordans erster Gründung wurde es 1981 an dieser Stelle errichtet. Es ruht auf einem auffällig niedrigen Sockel, gestaltet von Bildhauer Helmut Moos (1931-2017), der damit für jeden Betrachter erfahrbar, ja geradezu spürbar ausdrücken wollte: P. Jordan schaut nicht auf die, die ihm begegnen, herab; er ist nicht über andere erhoben oder erhaben; er ist nicht allen entrückt auf einem hohen Postament, kein Säulenheiliger. Vielmehr will er mitten unter uns sein, geradezu „auf Augenhöhe“, wie man heute sagt, ein Seliger demnächst „zum Anfassen“. Eine Reliefbüste Jordans hängt im Nördlichen Querhaus der Basilika am Abgang zum Kreuzgang.
 
Kein Kunstwerk ist in Steinfeld bisher zu finden als Erinnerung an seinen ersten, engsten und besten Mitarbeiter: Bernhard Lüthen (1846-1911), der den Ordensnamen P. Bonaventura annahm. P. Jordan war der große Inspirator, voller Sendungsbewusstsein und charismatischer Berufung. Er erscheint vielen schon zu seinen Lebzeiten als „Mann Gottes“, als Heiliger. Lüthen aber war sein treuester Begleiter, weiser Ratgeber, besonnener Freund, seine selbstlos wirkende „rechte Hand“, dabei immer im Hintergrund bleibend.
Was in Steinfeld sehr wohl zu finden ist, das sind Reliefs der beiden anderen „Großen des Anfangs“: vor der Hauskapelle die Sel. Maria von den Aposteln (Freiin Theresia von Wüllenweber). Mit ihr zusammen gründete P. Jordan 1888 die Gemeinschaft der Salvatorianerinnen. Ihre Seligsprechung konnten die Schwestern bereits am 13. Oktober 1968 feiern. Und im Westflügel des Kreuzgangs hängt eine Reliefbüste von P. Pankratius (Markus) Pfeiffer (1872-1945). Er folgte P. Jordan nach in der Ordensleitung und sorgte 30 Jahre lang (1915-1945) nicht nur für Ausbau und Verbreitung der Gesellschaft, sondern auch für die Entwicklung ihrer geistigen und geistlichen Grundlagen. So wurde er zur alle überragenden Autorität. Außerhalb des Ordens wurde er vielen bekannt, als sich nach 1945 erwies, wie zahlreichen Menschen, die zur Zeit der Besatzung Roms von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, er Unterkunft und Versteck gewährt oder zur Flucht verholfen hatte und sie so vor dem Schlimmsten bewahren konnte. Er ist der einzige Deutsche, dem in Rom nach 1945 die Ehre zuteil wurde, dass eine römische Straße nach benannt wurde als Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit.
 
Wenn ein „Diener Gottes“ nach einem langen Verfahren seliggesprochen wird, so geht es dabei natürlich zunächst um ihn selbst, sein Leben, seine Spiritualität, seine Heiligkeit. Aber da bei einem Ordensgründer die Gründungen ein wichtiger Teil dieses Lebens sind, sind Geist und Taten seiner Mitarbeiter ebenfalls immer auch im Blick. Und das gilt nicht nur für die „Großen des Anfangs“, sondern für alle, die in seinen Werken im Sinn ihres Gründers und in Treue zu seinem Auftrag gearbeitet und gelebt haben und auch heute immer noch leben und arbeiten.
 
Daher unser aufrichtiger, herzlicher Glückwunsch anlässlich der bevorstehenden Seligsprechung allen Mitgliedern der Salvatorianischen Familie!
 
„DAS IST DAS EWIGE LEBEN: DICH, DEN EINZIGEN WAHREN GOTT, ZU ERKENNEN
UND JESUS CHRISTUS, DEN DU GESANDT HAST.“
 
Text / Fotos: Helmut J. Kirfel