Steinfelder Besonderheiten: Das Steinfelder Gemälde „Anbetung der Weisen“

Die Kernaussagen unseres Glaubens wurden in der alten Steinfelder Stiftsbasilika in ihrer Mehrzahl von weithin sichtbaren, beeindruckenden und einprägsamen bildlichen Darstellungen vermittelt. Dazu gehört auch das heute in der „Neuen Prälatur“ zu sehende Gemälde, ebenfalls ausgeführt „in der Manier des Peter Paul Rubens“ durch einen unbekannten Maler des 17. Jahrhunderts, das die Szene der „Anbetung der Weisen“ darstellt.
Das Neue Testament nennt sie nicht „Könige“, sondern „magoi“, was Sterndeuter, Philosophen, Weise, ja sogar Zauberer heißen kann. Weder Namen, noch Anzahl, noch Herkunftsländer werden genannt. Wir erfahren auch nicht, was mit dem „Stern“ gemeint ist, dem sie folgen. Bei Matthäus heißen sie „Magier aus dem Osten“. Alles Weitere ist spätere Zutat der Tradition, symbolische Deutung der „Epiphanie“, der Erscheinung des Herrn unter den Menschen. Diese „Weisen“ repräsentieren die nichtjüdische Welt auf der Suche nach dem „König der Juden“ als ihrem Erlöser.
Die Dreizahl der Gaben wird gedeutet im Licht des Alten Testaments: Gold gebührt einem König, Myrrhe dem Heiland, dem Retter, und Weihrauch dem Hohepriester. Auf diese Weise schlich sich auch die Dreizahl der Personen allmählich ein, symbolisierend manchmal die drei Lebensalter (Jüngling, Mann, Greis), manchmal die Kontinente des damaligen „Ostens“ (Europa, Asien, Afrika), schließlich auch die Ethnien, erkennbar gemacht an unterschiedlicher Hautfarbe. Ab dem 12. Jahrhundert, verstärkt ab dem 16. Jahrhundert zeigt einer der Weisen schwarze Hautfarbe. Die Aussage war klar: Der Heiland ist allen Menschen ohne Ausnahmen und Vorbehalte erschienen.
Gerade in unserem Bild ist leicht ablesbar, dass der „Kaspar“ genannte Weise gleich vornehm, gleich wohlhabend, gleich angesehen dargestellt ist. Wenn Menschen mit nichtweißer Hautfarbe immer so behandelt worden wären, wie unser Maler dies in diesem seinem Werk tut, hätte es wohl in der Geschichte die allzu bekannten Gründe und Anlässe für eine Black-Lives-Matter-Bewegung nie geben dürfen. Also dürfte es auch für uns keine guten Gründe geben, heute gerade dieses Gemälde „politisch korrekt“ zu verstecken.
Die Geschichte der „Reliquien“ der „Heiligen Drei Könige“ beruht selbstredend ausschließlich auf Legenden, was auch „im hillije Kölle“ kaum mehr jemand leugnen dürfte.
In der Liturgie wird die „Erscheinung des Herrn“, also das In-die-Öffentlichkeit-Treten Jesu, in drei Schritten oder Varianten begangen: am 6. Januar mit dem Fest dieser drei Weisen, am darauf folgenden Sonntag mit der Taufe Jesu durch Johannes im Jordan und wieder einen Sonntag später (allerdings nur im Lesejahr C) mit der Hochzeit zu Kana, wo Jesus sein erstes Wunder wirkt.
Text: Helmut J. Kirfel
Foto: gdg-steinfeld