Von den Kleinsten, der Liebe und Gottvertrauen

Steinfeld. "Ist das Licht so gut?", fragte Alice Toporowsky, bevor nach mehreren Monaten Auszeit zum ersten Mal in der Basilika Steinfeld wieder eine Ausgabe von "Wort und Klang" über die Bühne ging. Das Licht war gut, es machte die große Basilika gemütlich und heimelig. Die Unsicherheit, die die Frage widerspiegelte, betrifft momentan nahezu die gesamte Bevölkerung. "Ist es gut so, was wir machen?"

In ihren Textbeiträgen ging die Pastoralreferentin denn auch sehr behutsam und sensibel auf die Wertigkeit eines jeden einzelnen Menschen und auf die aktuelle Situation ein:

"Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen ..... Das führt dazu, dass die Spatzen oft geradezu als Sinnbild für Unscheinbarkeit gebraucht werden. Denken Sie an das Sprichwort ,Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach' ..... Und gerade am Beispiel dieser unbedeutenden Tierchen versucht Jesus deutlich zu machen, wie Gott ist. Nämlich unendlich liebevoll und aufmerksam für alles Leben, und sei es noch so klein und unscheinbar. Selbst ein kleiner gewöhnlicher Spatz ist bei Gott im Blick. Selbst das Leben dieses kleinen Geschöpfs liegt in Gottes Hand. Um wie viel mehr gilt das dann für uns ..... Es tut so gut, sich das bewusst zu machen. Wie viele Menschen leiden darunter, dass sie sich als wertlos und unbedeutend empfinden. Und wie wenig zählt der Einzelne tatsächlich oft ..... Die Corona-Krise hat dieses Empfinden für viele sicher noch verstärkt. Wir sind mit Fragen konfrontiert: Was ist wertvoller – das Leben derer, die besonders gefährdet sind – oder die Freiheit der anderen? Wie viel Rücksicht bin ich bereit zu nehmen, wie viele Einschränkungen verkraftet unsere Gesellschaft? ..... Daher sind mir diese Worte Jesu jetzt so wichtig. Gott ist es nicht egal, was mit mir ist. Wie es mir geht. Gott entgeht nichts. Selbst ein unscheinbares Tier wie ein kleiner Spatz, selbst die Zahl der Haare auf dem Kopf – alles ist in Gottes Hand. Für Gott sind nicht nur Angehörige bestimmter Berufsgruppen systemrelevant, sondern jedes Leben, ausnahmslos ..... Das ist eine Wahrheit, in die ich mich fallen lassen kann ..... Für Gott bin ich wichtig, nichts ist zu klein oder unbedeutend für ihn. Wenn man jemanden liebt, nimmt man auch die kleinen Dinge wahr, ganz automatisch. Da weiß man noch nach Jahrzehnten, welches Hemd der Geliebte beim ersten Treffen anhatte. Liebe macht aufmerksam. So ist es auch bei Gott ..... Amen."

Kirchenmusiker Thomas Gehrke umrahmte die Textbeitrage ebenfalls behutsam und mit viel Fingerspitzengefühl. Mit kleinen Stücken wie dem Choral "Wer nur den lieben Gott lässt walten" von Johann Sebastian Bach, einem Trio von Georg Andreas Sorge, einer Marcietta von Théodore Dubois, einer Improvisation über die Stimmen der Vögel und eine kleine Fuge von Theophil Forchhammer setzte er die Gedanken von Alice Toporowsky in Musik um. Rund 40 Zuhörer fanden den Weg in die Basilika, viele von ihnen blieben auch noch nach der Veranstaltung still und versonnen in den Kirchenbänken sitzen.