Die „Visitenkarte“ von Kloster Steinfeld ist wieder gerade gebogen

Erst vor einigen Jahren saniert - doch dann schnell wieder kaputt gefahren - Kunstschmied Stefan Pütz aus Sistig kümmerte sich in diesen Tagen mal wieder um das schmiedeeiserne Konstrukt am Eingang von Kloster Steinfeld; dazu ein Text von Helmut J. Kirfel:
 
Es dürfte das von Touristen wohl meistfotografierte Motiv von Kloster Steinfeld sein: das große schmiedeeiserne Haupttor in der Außenmauer. Es erstrahlt nun wieder formschön in neuem Glanze. Mehrmals schon fiel das 230 Jahre alte Eisenkunstwerk dem LKW-Lieferverkehr zum Opfer.
 
Die hohe äußere Umgrenzungsmauer, deren Bestandteil das Haupttor ist, stellt das zeitlich letzte Element der Barockisierung des Klosters im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts dar. Eine Wetterfahne, Vorgängerin eines der heutigen Exemplare auf dem Dach des Torbaus, wies vor der Ankunft der Salvatorianer 1923 auf das Jahr der Erbauung der äußeren, steinernen wie auch der inneren, schmiedeeisernen Toranlage hin: 1789, das Jahr des Beginns der Französischen Revolution.
 
Aber auch der Bauherr selbst hat sich in der Mitte des im Rokokostil gehaltenen oberen Rundbogenschmucks verewigt. Der Wappenschild des Abtes, jetzt wieder gut zu erkennen, ist eindeutig: Zwar haben fast alle Steinfelder Äbte des 18. Jahrhunderts in ihren Wappen diese überall im Kloster anzutreffenden Motive in je eigener Komposition variiert: die aus Frankreich als dem Herkunftsland des hl Potentinusstammenden drei Lilien, den sechsstrahligen Stern, auf die Gottesmutter als „Meerstern“ hindeutend, und das von zwei gekreuzten Pfeilen durchbohrte Herz als Attribut des hl. Augustinus, da Prämonstratenser schließlich reformierte Augustinerchorherren sind.
 
Darüber hinaus jedoch wissen wir, dass das stilisierte gelappte Eichenblatt ein Alleinstellungsmerkmal des vorletzten Abtes Felizius Adenau (Abt vom 20. April 1784 bis zum 12. Juni 1790) ist, der dieses an einen Triumphbogen erinnernde Tor als den jüngsten Bauteil des „Alten Stifts“ errichten ließ. So kann man die fünf Eicheln erklären, die von der mit fünf Bögen verzierten Trägerplatte des Herzschildes herunterbaumeln und hier offenbar statt des Eichenblattes die Eiche repräsentieren.
Der an zwei Ketten hängende rot-weiße Höhenbegrenzer muss wohl als – hoffentlich wirksame – Präventionsmaßnahme in Kauf genommen werden.
 
„Ihre Tore werden den ganzen Tag nicht geschlossen – Nacht wird es dort nicht mehr geben.“ (Offb 21,25)
 
Text: Helmut J. Kirfel
 
Fotos: gkli