Steinfelder Besonderheiten: Den Teufel an die Wand gemalt!

Die Redensart kennt jeder: „Mal den Teufel nicht an die Wand!“ Aber warum hat man (nicht nur) in der Basilika Steinfeld dagegen verstoßen?
 
Die Darstellungen auf dem Gurtbogen zwischen der Vierung und dem südlichen Querhaus thematisieren die Symbolik, die für die Gottesmutter verwendet wurde. Nur das erste Bild und das letzte machen eine bemerkenswerte Ausnahme. Auf dem ersten (nach Osten hin) ist der Teufel dargestellt samt Pferdefuß und Teufelshörnern. Er sitzt auf einem umgestürzten Säulenkapitell, hält eine Schreibfeder in der rechten Hand, eine Schriftrolle in der linken und ist offenbar damit beschäftigt, sich Notizen zu machen.
 
Position und Blickrichtung der Figur zum ehemaligen Priesterchor hin legen nahe, dass er die Chorherren während ihrer Gebetszeiten beobachtete und jede Unachtsamkeit, vom falsch gesungenen Ton bis zum festen Tiefschlaf, aufzuschreiben pflegte.
 
Denn der Teufel gilt im Christentum ja nicht nur als dreister Verführer zum Bösen, sondern auch als Ankläger, der jederzeit alle Schwächen der Menschen aufzudecken bemüht ist, um seine Opfer dann vor Gott anzuschwärzen. So stiftet er Unfrieden, indem er nicht nur Zutreffendes, sondern auch Vermeintliches und Verleumderisches, ja sogar vorsätzlich Falsches verbreitet, modern würden wir dazu wohl „alternative Fakten“ sagen.
 
Er erweist sich damit als wahrer „dia-bolos“, der – folgt man der griechischen Wortbedeutung – verleumdet, entzweit, betrügt und täuscht, der also alles durcheinander wirft, die Welt auf den Kopf stellt, die gottgewollte Ordnung zerstört.
Auf dem gegenüberliegenden, letzten Bild der Gesamtreihe (nach Westen hin) sieht man einen Engel. Aus der Dokumentation der Denkmalpflege ist bekannt, dass dieser Engel bis zur Zeit der großen Renovierung der Basilika in den 1930er Jahren sich sein Gesicht verhüllte. Er stellte also das Gegenstück zum Teufel dar: das traurige Bedauern so manches menschlichen Verhaltens, aber auch die Nachsicht, die rücksichtsvolle Diskretion, das liebevolle Verständnis, letztlich die Barmherzigkeit Gottes selbst. – Nicht zu verwechseln mit dem Verzicht auf die gebotene, nachhaltige Konsequenz, wenn es um den Schutz und die Verteidigung Dritter vor rücksichtslosen Übergriffen ihnen gegenüber geht!
 
Dieses Bildpaar stellte offenbar eine Einheit dar: Warnung vor dem Bösen einerseits und gleichzeitig Belehrung durch das vor Augen gestellte Beispiel des Gottesboten andererseits.
 
Dies haben die damals für die Renovierung Verantwortlichen aber augenscheinlich nicht recht verstanden. Denn sie verliehen dem „renovierten“ Engel eine ganz andere Funktion: Er schaut nun nachdenklich zum Himmel, nachdem er mit seiner Feder ein Schriftband beschrieben hat mit einem lateinischen Text, der übersetzt lautet: „Renoviert im Jahre des Herrn 1933, in Auftrag gegeben von Pater Suitbert, gemalt von Josef Gassert.“ (Das kann der Betrachter von unten nicht entziffern, es sei denn, er fotografiert das Bild, vergrößert es dann und dreht es anschließend um 180°!)
 
Leider dürfte diese spezielle Form von „Renovierung“ wohl der Sieg der (verzeihlichen) menschlichen Eitelkeit sein über die Klugheit und Weisheit, die aus dem ursprünglichen Bildprogramm sprachen.
„SEID NÜCHTERN, SEID WACHSAM! EUER WIDERSACHER, DER TEUFEL, GEHT WIE EIN BRÜLLENDER LÖWE UMHER UND SUCHT, WEN ER VERSCHLINGEN KANN. (…) DER GOTT ALLER GNADE ABER (…) WIRD EUCH (…) AUF FESTEN GRUND STELLEN. SEIN IST DIE MACHT IN EWIGKEIT. AMEN.“ (1 PETR 5,8-11)
 
Text: Helmut J. Kirfel
 
Fotos: Manos Meisen / https://manosmeisen.de/