Die Steinfelder Altäre (6): Die Kapellen des südlichen Querhauses vor 1930

Für Freunde alter Ansichten aus Kloster und Basilika Steinfeld ist dieser Beitrag gedacht. Die zahlreichen Kapellen und Altäre in der Basilika haben im Laufe der Zeit unterschiedlichen Anliegen gedient und sind daher auch mit wechselnden Bezeichnungen belegt worden.
 
Bevor die heutige Chororgel ihre jetzige Position einnahm, war die erste Kapelle im rechten (südlichen) Querschiff die Josefskapelle. Die Abbildung (auf dem Foto links) zeigt sie um 1925. Der ursprüngliche Altaraufbau war für die Kapelle im wenige Jahre vorher gegründeten Hermann-Josef-Haus in Urft ausgeliehen worden. Stattdessen hatte erhöht hinter der Altarmensa eine Figurengruppe Aufstellung gefunden, die den „Tod des heiligen Josef“ darstellte.
 
Von Josefs Tod spricht die biblische Überlieferung zwar nirgendwo. Letztmalig erwähnt wird Josef dort anlässlich der Pilgerschaft der Heiligen Familie zum Paschafest nach Jerusalem, bei der allerdings der zwölfjährige Jesus im Tempel im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Danach hören wir von Josef nichts mehr. Aber gerade dieser Umstand hat die fromme Fantasie offenbar besonders angeregt. So hat auch Josefs Tod immer wieder Darstellungen gefunden. Damit der Betrachter unseres Fotos sich die (heute nicht mehr existierende) Figurengruppe besser vorstellen kann, ist eine fast zeitgleiche (1910) ähnlicher Art aus dem südtiroler Bereich darüber abgebildet. Das Steinfelder Original stammte von einem Mitglied der Steinfelder Pfarrgemeinde. Es war ein Votivgeschenk (als Dank für eine Gebetserhörung) aus dem Kriegsjahr 1915 zu Beginn des Ersten Weltkriegs.
 
Die Kapelle rechts war damals die Potentinus-Kapelle mit dem Potentinus(ersatz)schrein, der jedoch anders als heute mit einer Längsseite zum Betrachter hin hinter der Altarmensa aufgestellt war, überragt von einer hölzernen Potentinusbüste etwa in der Form, wie sie die darüber abgebildete aus unserer „Schatzkammer“ aufweist.
 
Auf dem Pfeiler zwischen den Kapellen ist das auch heute noch zu sehende Altarbild (Wandmalerei des frühen 14. Jahrhunderts) des vormals dort stehenden Kreuzaltars zu erkennen. Vor dem Potentinusaltar als Bodenplatte, vom Teppich teilweise verdeckt, der lange irrtümlich für eine Grabplatte gehaltene Steinmetzentwurf des Epitaphs der Äbtegruft. Seit Ende der 1930er Jahre befindet sich diese Art Vorarbeit für das edle Endprodukt aus schwarzem Marmor gleich hinter der seitlichen Eingangstür zur Vorhalle der Basilika.
 
Text: Helmut J. Kirfel
Fotos: Sammlung Felizius Poth (+ 14.07.2021 RIP); Schatzkammer Steinfeld, Creative Commons: CC BY-SA 3.0