Steinfeld meets Paris: Der Potentinus-Schrein im Louvre - Steinfelder Besonderheiten: Der Schrein gehört in die Eifel

Den interessierten Parisbesucher erwartet im Louvre ein Kunstwerk, dessen Existenz in der Eifel fast in Vergessenheit geraten ist: der aus dem Mittelalter stammende kupfervergoldete, reich mit Schmelzarbeit verzierte Reliquienschrein unseres Pfarrpatrons, des heiligen Potentinus, aus dem alten Steinfelder Stift (Länge: 114 cm, Breite: 37,5 cm, Höhe: 68 cm).
 
Nach der Eroberung, Besetzung und schließlich Angliederung großer Teile des Rheinlands an das napoleonische Frankreich wurde auch Kloster Steinfeld zu Staatseigentum. Die Liegenschaften wurden später versteigert und privatisiert, die Klosterkirche der Pfarrgemeinde übertragen, aber die Kunstschätze nach Frankreich gebracht, die Reliquiare allerdings ohne die Reliquien selbst.
 
Das Bildprogramm des Schreins vereinigt Altes Testament und Neues, Christus und die Steinfelder Patrone. Das Dach des Schreins trägt zwölf Medaillons mit den halbfigürlichen Reliefabbildungen bekannter Personen des AT: Könige und Stammväter, Propheten und Schreiber wie Malachias, Ezechiel, Abraham und Ysaias, Saul, David, Jakob sowie Daniel, Jeremias und Baruch (in der damaligen Schreibweise).
 
Auf den Langseiten finden sich in getriebener Arbeit die Figuren der zwölf Apostel zwischen Bogenstellungen, auf der dem Betrachter zugewandten Seite hier von links nach rechts: Petrus, Johannes, Andreas, Bartholomäus, Jakobus und Mathäus.
Eine der beiden Stirnseiten zeigt Christus zwischen seiner Mutter Maria (zur Rechten) und dem heiligen Augustinus (zur Linken), hier mit einem Buch als Attribut, das auf die ihm zugeschriebene Regel hindeutet, ein klarer Verweis auf die Prämonstratenser des Steinfelder Stifts als Augustinerchorherren.
 
Auf der anderen Stirnseite sehen wir den Steinfelder Patron Potentinus zwischen seinen Söhnen Felicius und Simplicius. Sie sind in Kettenpanzern als (ehemalige) Krieger und Heerführer dargestellt gemäß der älteren Überlieferung. Nur die Inschrift über den Köpfen weist sie als „Martyrer“ aus gemäß der inzwischen verworfenen „jüngeren Tradition“, die in den 1170er begründet worden war aufgrund einer „bestellten Vision“.
So passt auch dieses Detail zu der in der Wissenschaft vertretenen Datierung dieser kostbaren Arbeit: dem ersten Viertel des 13. Jh., entfernt erinnernd an die Arbeiten des Nikolaus von Verdun (Kölner Dreikönigenschrein) und aus einer Werkstatt des Trierer Raums stammend.
 
In Steinfeld selbst behelfen wir uns seit fast 220 Jahren mit einem bescheidenen Ersatzschrein, in dem die Reliquien unbeschädigt geborgen sind.
 
Text: Helmut J. Kirfel