Das Gemälde „Aussendung des Heiligen Geistes“ aus dem alten Steinfelder Stift

„Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“ (Apg 2,1-4)

Diese Szene, die in unserem Gemälde ihren Ausdruck findet, ist das Geschehnis, das Jesus gemäß Lukas so angekündigt hatte: „Und siehe, ich werde die Verheißung meines Vaters auf euch herabsenden. Ihr aber bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet!“ (LK 24,49) Das Bild von den Feuerzungen erinnert an die Schilderungen vom Sinai und an Jesaja. Der Audition („Brausen“) folgt die Vision, die die Unerhörtheit des hörbaren Geschehens sichtbar zum Ausdruck bringt.

Aus den vielfältigen Ausdeutungen sei hier nur an eine einzige erinnert, die uns alle unmittelbar betrifft: Diese „Kraft aus der Höhe“, die der Heilige Geist verleiht, wird uns in besonderem Maße im Sakrament der Firmung zuteil. Aus der Predigt anlässlich einer Firmung ist mir das Folgende einprägsam in Erinnerung geblieben:

Wenn ich spüre, ich muss um der Gerechtigkeit willen widersprechen, auch wenn es sonst gerade niemand tut, dann ist es Gottes Geist, der in mir wirkt.

Wenn ich zu der Einsicht komme, dass es nicht richtig ist, auf Kosten anderer noch mehr Geld anzuhäufen, dann ist es Gottes Geist, der in mir wirkt.

Wenn es mich drängt, die alte Nachbarin im Altenheim zu besuchen, auch wenn sie genug Kinder hat, die dies tun könnten, dann ist es Gottes Geist, der in mir wirkt.

Wenn es mich treibt, mit dem Kollegen die Aussprache zu suchen, obwohl er oder sie es doch war, die mich beleidigt hat, dann ist es Gottes Geist, der in mir wirkt.

Wenn irgendetwas in mir den Mut gibt, meinen Chef unter vier Augen auf sein Fehlverhalten hinzuweisen, dann ist es Gottes Geist, der in mir wirkt.

Wenn eine innere Stimme mir sagt, ich müsse meine Lebensweise umstellen, damit auch unsere Kinder und Enkel noch eine bewohnbare Erde vorfinden, dann ist es Gottes Geist, der in mir wirkt.

Wenn mein verhärtetes Herz weich wird angesichts der Not eines Nächsten (Armen, Kranken, Migranten, Einsamen, Verlassenen, Enttäuschten, Verbitterten), dann ist es Gottes Geist, der in mir wirkt.

Veni Sancte Spiritus, et emitte caelitus lucis tuae radium – Komm herab, o Heilger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt. (Aus der Sequenz von Pfingsten)

 

Text:   Helmut J. Kirfel

Foto:   GdG Steinfeld