Pater Jordan – eine Spurensuche (V)

Seit 1923 sind im Kloster Steinfeld Salvatorianer tätig, seit 1916 schon Salvatorianerinnen. Der Gründer dieser Gemeinschaften, Pater Franziskus Jordan, wird am 15. Mai 2021 in Rom seliggesprochen. Anlass für eine Spurensuche – wer war P. Jordan? Und: kann sein Leben uns heute eine Wegweisung sein?

Folge 5: Seiner Zeit voraus

„Nicht kleckern, sondern klotzen“, würde heute manch einer sagen. Was Pater Jordan wollte, war keine Kleinigkeit. Sein Ziel war tatsächlich nicht weniger als die Kirche erneuern, allen Menschen auf der Welt das Evangelium verkünden, „aus allen Christen Apostel machen“ (P. Bernward Meisterjahn). Die Gemeinschaft, die er gründen wollte, sollte offen sein für alle; Männer und Frauen, Priester und Laien; sie sollte sich nicht einer bestimmten Aufgabe verschreiben, sondern überall da anpacken, wo Menschen in Not waren.
Den Segen des Papstes für sein Werk und Mitstreiter hatte Pater Jordan, und trotzdem konnte er viele seiner Vorstellungen nicht umsetzen.

Bereits wenige Wochen nach Gründung seiner „Apostolischen Lehrgesellschaft“ wurde Pater Jordan von der damaligen Kirchenleitung „zurückgepfiffen“. Nach den damals gültigen Vorschriften hatte eine Ordensgemeinschaft jeweils nur einem bestimmten Zweck zu dienen. Die Weite, die Pater Jordan vorschwebte stieß auf die Enge der damaligen kirchlichen Regelungen. Und für ein „Apostolat der Frau“, von dessen Notwendigkeit Pater Jordan überzeugt war, war die Zeit auch noch nicht reif.

Klaglos hat sich Pater Jordan den Anordnungen gefügt. Von seinem geplanten Werk, einer Gemeinschaft mit verschiedenen Graden der Zugehörigkeit, konnte er nur einen Teil verwirklichen. Seine „Gesellschaft vom göttlichen Heiland“, so der Name ab 1894, wurde eine „normale“ Ordensgemeinschaft.

Pater Jordans Gedanken waren in Manchem seiner Zeit voraus. Mich macht betroffen, wie still er sich den kirchlichen Anordnungen gefügt hat. Wie er seine Kräfte in der Folgezeit auf das fokussierte, was möglich war. Dem, was er für sich als Willen Gottes erkannt hat, blieb er dennoch treu. Schon acht Jahre nach der Gründung brachen die ersten Missionare der jungen Gemeinschaft nach Indien auf.

Auch heute braucht es Visionäre, die ihrer Zeit voraus sind, um etwas in Bewegung zu bringen. Auch heute leiden viele an den engen Grenzen, die die Kirche in mancher Hinsicht zieht. Die Visionen Pater Jordans, aber auch seine Geduld und Kompromißbereitschaft, machen mich nachdenklich.

(Text: Alice Toporowsky, Pastoralreferentin; Foto: ebd., Bild im Raum vor der Hauskapelle, Kloster Steinfeld)