Pater Jordan – eine Spurensuche (VI)

Seit 1923 sind im Kloster Steinfeld Salvatorianer tätig, seit 1916 schon Salvatorianerinnen. Der Gründer dieser Gemeinschaften, Pater Franziskus Jordan, wird am 15. Mai 2021 in Rom seliggesprochen. Anlass für eine Spurensuche – wer war P. Jordan? Und: kann sein Leben uns heute eine Wegweisung sein?
 
Folge VI: Gottvertrauen
 
Durch das Leben Pater Jordans zogen sich Schwierigkeiten, Enttäuschungen und Misserfolge. Schon als Jugendlicher musste er damit zurechtkommen, dass für seinen Lebenstraum, Priester zu werden, kein Geld da war. Geldsorgen begleiteten ihn und seine junge Gemeinschaft weiter. Geradezu erschreckend ist die Liste der Ablehnungen, die Pater Jordan im Zusammenhang mit der Gründung seiner Gemeinschaft erlebt. Die ersten Statuten wurden kirchlicherseits nicht anerkannt, und er musste die Bezeichnung „Apostolisch“ aus seiner „Apostolischen Lehrgesellschaft“ streichen. Anders als er es gewollt hatte, wurde die Gemeinschaft in eine Ordensgemeinschaft im Sinne des Kirchenrechts umgewandelt. Da man seiner Führung nicht traute, wurde der Gemeinschaft 20 Jahre lang ein Visitator vorgestellt. Pater Jordans erster Versuch, eine Gemeinschaft von Schwestern zu gründen, scheiterte 1882; beim zweiten Versuch 1883 wurde ihm die Leitung entzogen, „ohne dass Jordan auch nur gehört worden wäre“ (Pater Bernward Meisterjahn). 1906 gab es eine groß angelegte, verleumderische Pressekampagne gegen ihn. Die Konstitutionen seiner Gemeinschaft wurden erst 1922 endgültig approbiert – Pater Jordan hat es nicht mehr erlebt. Immer wieder stieß er auf Unverständnis und Ablehnung. Immer wieder wurden ihm Steine in den Weg gelegt.
 
Mich hätten solche Erfahrungen wütend gemacht. Ich hätte mit meinem Ärger über die Verantwortlichen nicht hinterm Berg gehalten. Und wahrscheinlich wäre ich irgendwann an einen Punkt gekommen, wo ich resigniert hätte und frustriert alles hingeschmissen.
Nicht so Pater Jordan. Seine Biographen berichten vom großen Schmerz, den er empfunden, jedoch kaum öffentlich geäußert hat. „Jordan schwieg und betete“, fasst Pater Bernward Meisterjahn zusammen.
Mich fasziniert das tiefe Gottvertrauen Pater Jordans. Bei aller persönlichen Unsicherheit, bei allen Misserfolgen und negativen Erfahrungen wusste er sich von Gott gehalten und geführt. Am 8. September 1918 ist Pater Jordan in Tafers in der Schweiz gestorben, im Vertrauen auf Gott, der ihn sein ganzes Leben begleitet hat.
 
(Text: Alice Toporowsky, Pastoralreferentin, Bild: ebd., Relief in der Basilika Steinfeld)