Pater Jordan – eine Spurensuche (III)

Seit 1923 sind im Kloster Steinfeld Salvatorianer tätig, seit 1916 schon Salvatorianerinnen. Der Gründer dieser Gemeinschaften, Pater Franziskus Jordan, wird am 15. Mai 2021 in Rom seliggesprochen. Anlass für eine Spurensuche – wer war P. Jordan? Und: kann sein Leben uns heute eine Wegweisung sein?
 
Folge 3: Sternstunde
 
Mit 30 Jahren ging für P. Jordan ein Lebenstraum in Erfüllung: Er wurde zum Priester geweiht. Wegen des Kulturkampfs durfte seine Diözese ihn jedoch nicht anstellen. P. Jordan war außergewöhnlich sprachbegabt. Sein Bischof schickte ihn daher zum Studium orientalischer Sprachen nach Rom. In diesem Zusammenhang unternahm P. Jordan 1880 eine Reise ins Heilige Land. Dort wollte er nicht nur seine Arabisch-Kenntnisse verbessern, sondern hoffte auch, Klarheit zu finden in einer Frage, die ihn schon lange beschäftigte. Seit Jahren fühlte er sich von Gott berufen, eine Gemeinschaft zu gründen - „apostolische Lehrgesellschaft“ nannte er sie. Gleichzeitig quälten ihn dabei Fragen und Zweifel. Als er gegen Ende seiner Reise einen Tag im Libanon verbrachte, wurde ihm plötzlich Klarheit geschenkt. Es war ein Satz aus dem Johannesevangelium, bei dem er auf einmal mit tiefer Sicherheit und Freude spürte, was sein Weg war: „Das aber ist das ewige Leben; dass sie dich, den einzigen, wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus“ (Joh 17, 3).
 
„Ewiges Leben“ ist keine zeitliche Kategorie. Es meint nicht einfach eine Verlängerung unseres jetzigen Lebens über den Tod hinaus. „Ewiges Leben“ im biblischen Sinn ist eher eine Qualitätsaussage und bedeutet ein zutiefst erfülltes Leben in der Beziehung zu Gott. Diese Erfüllung lässt sich schon im Jetzt und hier erfahren; in besonderen Momenten scheint manchmal der Ewigkeitscharakter auf: wenn ich ganz ehrlich ich selbst bin, wenn ich mich zuinnerst verbunden fühle mit anderen, wenn ich mich aufgehoben weiß bei Gott …
In seiner „Sternstunde“ hat P. Jordan gespürt: In der Beziehung zu Gott liegt für jeden Menschen dieses erfüllte, ewige Leben. Sein, Jordans Auftrag war es, sich dafür einzusetzen, dass möglichst jede und jeder von dieser Einladung Gottes erfährt. Dazu wollte er eine Gemeinschaft gründen, die sich genau dafür einsetzten sollte: allen Menschen die Botschaft Gottes nahe zu bringen. Und „alle“ hat Jordan absolut wörtlich verstanden.
 
Der Vers aus dem Johannesevangelium, der P. Jordan so getroffen hat, trifft auch mich: Wo erfahre ich dieses „ewige Leben“? Und mich berührt, dass es P. Jordan so ein Herzensanliegen war, allen Menschen von Gott zu erzählen. Wie ist das bei mir?
(Text: Alice Toporowsky, Pastoralreferentin; Foto: Alice Toporowsky [Büste von P. Jordan an der Klosterpforte Steinfeld])