Der heilige Norbert von Xanten in Steinfeld

In einem Rechnungsbuch des alten Stifts, dessen Original wir in unserem Pfarrarchiv verwahren, sind unter dem Datum Juli 1759 Ausgaben „pro 4 imaginis magnis ad bibliothecam“ verzeichnet. Es handelt sich dabei also um vier Gemälde für die Klosterbibliothek, von denen zwei erhalten sind und lange in der Basilika an den beiden Pfeilern in der Nähe des Eingangs gehangen haben. Nun sind sie im Pforteneingang des Klosters zu sehen. Eines davon zeigt den hl. Norbert von Xanten, der am 6. Juni 1134 starb.

Anlässlich seines kirchlichen Festtages und des Namenstages aller seiner Namensträger am 6. Juni soll er hier vorgestellt werden. In einem adligen Hause am Niederrhein geboren, wurde er nach vielen Wanderjahren als Prediger des Friedens, der Versöhnung, der Armut, der Kloster- und Kirchenreform und nach der Gründung der ersten Niederlassung seiner Anhänger in Prémontré bei Laon im Jahre 1121 schließlich wegen seines beispielhaften Lebenswandels vom Kaiser selbst 1126 zum Erzbischof von Magdeburg bestellt und vom Papst bestätigt. Norbert, überrascht und tief erschrocken, zunächst unwillig, beugte sich schließlich Gottes Willen und wurde so zu einem der höchsten kirchlichen und weltlichen Würdenträger des Reiches. (Vita Norberti A, 18)

Auf unserem Gemälde sehen wir ihn in Chorkleidung über dem weißen Habit der Prämonstratenser mit weißer Mozetta, über die Bischofskreuz und Pallium des Erzbischofs gelegt sind. Der kleine Engel unten rechts trägt die dazugehörige Mitra des Bischofs in seinen Händen. Norbert hält in seiner Linken das Patriarchenkreuz mit dem Doppelbalken sowie einen Ölzweig als Verweis auf den Friedensstifter und in der Rechten eine Monstranz mit Hostie. Die Monstranz ist hier allerdings ein anachronistisches Attribut, weil sie damals noch völlig unbekannt war. Aber ihr Sinn ist klar: Sie betont den eifrigen Verkünder der katholischen Lehre der Eucharistie.

Als deren Verteidiger war er 1124 besonders aktiv im Kampf gegen die Antwerpener Anhänger eines „Irrlehrers“ namens Tanchelm oder Tanchelinus (Vita A, 16), der selbst schon 1115 von einem Priester getötet worden war. Dennoch findet auch er sich abgebildet auf diesem Gemälde unten links. Seine Verachtung des Altarssakramentes wird ausgedrückt durch seinen achtlosen Umgang mit der Hostie und das blasphemische Ausgießen des Kelches. Darüber hinaus stellt der Maler ihn bewusst als spöttisch, hochnäsig, arrogant dar: das zeitgenössische Klischee eines „Ketzers“ eben. Zwischen ihm und Norbert erkennt man eine – in der Tradition der damaligen Zeit gemalte – als Fratze dargestellte Verkörperung des Teufels. Dies ist ein Verweis auf Norberts eifrige und erfolgreiche Tätigkeit als Exorzist, insbesondere in einem hartnäckigen (Wiederholungs-) Fall in Nivelles (Vita A, 10 und 14).

Auf unserem Gemälde leider nicht zu finden ist ein besonders auffälliges Attribut, mit dem Norbert als einziger Heiliger weltweit mitunter dargestellt wird: die Spinne (siehe deshalb den Kupferstich oben rechts). Seine Lebensbeschreibung (Vita A, 2) berichtet von einer Spinne, die einmal bei Norberts Feier der Eucharistie nach der Wandlung in den Kelch fiel. Aus Ehrfurcht überwand sich Norbert und trank dennoch den Kelch aus. Nach der Messe blieb er betend, in Erwartung seines sicheren Todes am Altar stehen. Da befiel ihn ein heftiges Niesen, und die Spinne flog vollständig („aranea integra“) aus seiner Nase wieder heraus: ein Hinweis auf Norberts Gottvertrauen und Gottes Güte ihm gegenüber, wie der Vitenschreiber anmerkt.

 

„Vater, du hast den Bischof Norbert zu einem herausragenden Diener deiner Kirche gemacht, bekannt für seine Verkündigung und seinen seelsorglichen Eifer. Sende deiner Kirche allzeit gläubige Hirten, die dein Volk zur ewigen Herrlichkeit führen.“

(Aus dem Tagesgebet des Gedenktags)

 

 

Text:       Helmut J. Kirfel

Foto:       Manos Meisen

Kupferstich (Ausschnitt) von Dominicus Custos (1605): Herzog Anton Ulrich – Museum Braunschweig – RR-Free Access