Kultur vom Anhänger - was war, was kommt

Mitte Juni ging es los, da kam die Idee auf, im und am Anhänger Jesu nicht nur Gottesdienste stattfinden zu lassen, sondern auch kulturelle Veranstaltungen. Der Grund: Das Bistum Aachen hatte 4000 Euro zum rund 15.000 Euro teuren Projekt dazu gegeben, und zwar mit dem Zusatz "für innovative Seelsorge". Und da sich der Anhänger für Veranstaltungen anbietet, weil er diesbezüglich eine kleine Infrastruktur etwa in Form von einem Stromanschluss und einem trockenen Dach besitzt, wurden kulturelle Angebote, die ja auch eine Gemeinde zusammenbringen können, ins Auge gefasst. Die Reihe "Kultur vom Anhänger" war geboren.
 
Es ging Schlag auf Schlag, das Telefon glühte, und plötzlich stand eine kulturelle Reihe mit 15 Terminen in Folge fest, und zwar jeden Sonntag von 15 bis 16 Uhr auf dem Klosterhof in Steinfeld. Premiere war am 20. Juni mit den "Old Timern". Um 14 Uhr wird der Anhänger meist geöffnet, dann richten sich die Künstler ein und um 15 Uhr geht es los. Auch die Zuschauer machen es sich gemütlich. Die meisten Besucher sitzen auf den Plätzen unter den großen Schirmen am Klostercafé. Eine Dame kommt immer mit dem Auto, parkt rückwärts auf einem der nahen Parkplätze, macht den Kofferraum auf und nutzt den Platz unter der geöffneten Heckklappe als Loge. Manche Zuhörer haben auch schon auf Decken wie bei einem englischen Picknickkonzert auf der Erde gesessen, viele genießen das Angebot zudem auf einer Bank sitzend oder an einer Wand lehnend.
 
Und es wurde schon viel geboten: Jazz, Egerländer, klassische Blasmusik, Mainstream, Rock, Eigenkompositionen, Musical und eine Lesung. Jede Veranstaltung bisher trug eine eigene Handschrift, und immer wieder war es spannend.
War es zu Beginn noch das eigentliche Ereignis, was die Veranstalter um Pater Wieslaw Kaczor, dem Leiter der GdG Steinfeld, in Atem hielt, kamen später Corona und die Flutkatastrophe hinzu. Kurz nach der Katastrophe war klar: Ersteinmal konnte keine Musik stattfinden. Drei Wochen lang war Stille sonntagsnachmittags von 15 bis 16 Uhr im Klosterhof, die anvisierten Konzerte wurden abgesagt.
 
Dann ging es langsam wieder los. Die Programme wurden auf die Situation abgestimmt, die Ansagen dementsprechend vorbereitet. Corona und die entsprechenden Maßnahmen immer im Blick machte dann mal zur Abwechslung am 29. August 2021 das Wetter dem geplanten Konzert einen Strich durch die Rechnung. Die beiden Trompeter, die an sich auf dem Plan standen, hatten sich entschlossen, ihre aufwändige Technik in der Feuchtigkeit nicht auszupacken. Das Konzert fiel buchstäblich ins Wasser.
 
Der Veranstalter selber hat sich allerdings inzwischen für derartige Fälle gerüstet: Regencapes können verteilt werden, auch haben sich die Garagen, die sich am Konzertplatz befinden, bereits in geöffnetem Zustand als wasserabweisende Logenplätze bewährt.
 
Bis Ende September wird die Konzertreihe weitergehen. Da der Veranstalter nicht wusste, wie sich die Reihe wegen Corona entwickelt und was stattfinden kann, war er zunächst verhalten und gab keinen Ausblick auf die komplette Reihe. Doch nun besteht die Hoffnung, dass die Konzertreihe ohne weitere Störung bis Ende September fortgesetzt werden kann, und daher hier die nächsten "Gigs": am 5. September kommt die Jazzband "Copper Town", am 12. September Georg Kaiser mit Edith Dederichs, am 19. September spielt Kai Gehlen mit der Band "2old4u" auf und den Schlussakkord unter die Reihe setzen am 26. September die "Old Timer" mit lateinamerikanischen Rhythmen und auch Schlager-Musik. Die Technik wird betreut von Norbert Dahm und Bernhard Frauenkron.
 
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Die Spenden dienen zum Einen zur Deckung der sehr überschaubaren Gage der Künstler. Diese haben sich alle der guten Sache verschrieben. Danke an alle Mitwirkenden dafür! Zum Zweiten wird ein Teil der Spenden eins zu eins an die Flutopfer in der GdG Steinfeld weitergegeben. Mit dem Geld werden Gutscheine in umliegenden Discountern gekauft, die dann an die Flutopfer verteilt werden. Rund 200 Gutscheine zu je 100 Euro konnten unter anderem auf diese Weise bereits auf den Weg gebracht werden. Und zum Dritten, sollte etwas übrig bleiben, werden damit noch offene Posten beglichen, was den Anhänger Jesu betrifft. Denn ganz bezahlt ist dieser einmalige Konzertsaal noch nicht.
Allen, die das Projekt unterstützen mit ihrer Anwesenheit, Aufmerksamkeit und Spende sei an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich gedankt!
Fotos/Text: gkli, pw / gkli