Die Neugründung des Klosters Steinfeld vor 900 Jahren

Die auf unserem Bild zu sehende Urkunde aus dem Jahr 1121 ist das älteste erhaltene Stück des alten Steinfelder Archivs, aufbewahrt heute im Landesarchiv NRW in Duisburg, früher im HStA Düsseldorf (Dep. Stadt Köln II, Urk. Nr. 13), woher auch das Foto stammt.
Da auch die Prämonstratenser in diesem Jahr ihr 900jähriges Jubiläum feiern, kommt es mitunter zu Verwechslungen und Missverständnissen, obgleich diese beiden Ereignisse in Prémontré und in Steinfeld damals in keinerlei innerem oder äußerem Zusammenhang miteinander standen.
 
Was genau nun erfahren wir in „unserer“ Urkunde, die aus Köln stammt und wahrscheinlich im Rahmen der „Fastensynode“ dort entstand? – Erzbischof Friedrich I. beurkundet, dass er von Graf Dietrich von Are das Kloster Steinfeld erworben habe. Es sei von dessen Vorfahren errichtet und durch die Unfähigkeit seiner Leitungspersonen total heruntergewirtschaftet worden. Nun wolle er in Absprache mit dem Grafen dort einen Neuanfang machen, und zwar mit Regularkanonikern, die nach der Regel des hl. Augustinus lebten.
 
Um diese in Steinfeld geistlich stark und finanziell unabhängig zu machen, unterstellt der Erzbischof die neue Gemeinschaft ausschließlich sich selbst ohne jegliche Zwischeninstanzen (Chorbischof, Propst, Archidiakon, Dechant) und befreit sie von allen sonst üblichen Abgaben an die unterschiedlichen kirchlichen Obrigkeiten. Er garantiert ihr die freie Wahl ihres Klostervorstehers (Propst, später Abt), verleiht der Kapelle im Klosterhof die Pfarreigenschaft für die Bewohner der Umgebung und gliedert zwei weitere Pfarreien (Ripsdorf und Berndorf) dem neuen Kloster ein. Für die Abwicklung von Rechtstreitigkeiten werden der Graf von Are und seine Nachfolger als Vogt eingesetzt, ihre Kompetenzen werden genau geregelt, ihre Macht begrenzt.
 
Mit der im gleichen Jahr gegründeten Gemeinschaft von Prémontré (bei Laon in Frankreich) gemeinsam hatten die Steinfelder nun die Augustinusregel bzw. die strengere Variante des „Ordo Monasterii“ und dazu den festen Willen, im Sinn einer strengen Reform ihr klösterliches Leben zu gestalten.
 
Dass es in Steinfeld jedoch (noch) geraume Zeit keine Unterordnung unter Prémontré gab, erkennt man unter anderem an einem päpstlichen Privileg vom Dezember 1136, in dem Innozenz II. Steinfeld genehmigte, einen eigenen, aus Männer- und Frauenklöstern bestehenden Klosterverband nach der Regel des heiligen Augustinus („ordo vester secundum beati Augustini regulam“) zu bilden. Sechs Jahre später jedoch wird mit tatkräftiger personeller Steinfelder Mithilfe in Prag das Prämonstratenser-Stift Strahov gegründet. Also darf man mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass zu diesem Zeitpunkt das Steinfelder Stift sehr wohl als „prämonstratensisch“ angesehen wurde.
 
Ein entsprechender Rechtsakt ist allerdings nirgendwo dokumentarisch oder als Erzählung überliefert. Möglicherweise muss man sich die Übernahme der speziellen klösterlichen Gewohnheiten (consuetudines) von Prémontré durch das Steinfelder Stift eher als einen Prozess vorstellen. Die mit diesem Thema befassten Historiker sind meist dazu übergegangen, die Anfänge des Prämonstratenser-Stifts Steinfeld auf den Zeitraum zwischen 1136 und 1142 zu datieren.
 
Unsere Urkunde von 1121 enthält allerdings den bereits erwähnten Hinweis auf die Gründung eines (viel?) früheren, ersten Klosters in Steinfeld durch die Vorfahren des Dietrich von Are. Was es damit auf sich hat, verdient in einer separaten Darstellung erörtert zu werden.
 
Text: Helmut J. Kirfel
Fotos/Repros: Helmut J. Kirfel