Die Michaelskapelle der Basilika Steinfeld und ihre Geheimnisse (1)

Mit der Michaelskapelle sehen wir hier einen in seiner Höhe, Weite und Schlichtheit beeindruckenden Raum, der insbesondere im Umfeld des Altares Zeugnis von seiner Entstehung in der Zeit der Romanik ablegt. Die hohen gotischen Fenster (das nördliche im unteren Teil zur Tür hin zur Klosteranlage umfunktioniert) zeigen besonders im Maßwerk deutlich Einflüsse einer späteren Zeit.
Eine Skizze des Äußeren der Basilika, die der Prior Latz 1632 im Rahmen seines Verzeichnisses der Scheiben des Kreuzgangs anfertigte, zeigt die Abteikirche nur mit dem Vierungsturm. Die Türme im Westwerk überragten das Kirchendach damals nicht oder kaum. Sie erhielten später niedrige barocke Hauben, und das spitzwinklige zeltartige Kirchendach über dem Mittelschiff war bis zum Westende der Basilika durchgezogen. Daher wird wohl auch die Michaelskapelle nicht die heutige Höhe gehabt haben.
Da die Orgel in der jetzigen Form noch nicht existierte, war aber die okulusartige Öffnung hinter dem Altar der Michaelskapelle damals noch unverschlossen, so dass zumindest der Zelebrant einen unverstellten Blick auf den Hochaltar der Abteikirche hatte.
Erst im Rahmen der Ausbaumaßnahmen nach dem Kirchendachbrand des Jahres 1873 entstanden die beiden Rundtürme des oberen Westwerks. Zeitgleich erhielt die Michaelskapelle eine höhergezogene, imposante Westwand und ein separates Dach quer zur Ausrichtung des Mittelschiffdachs. Nun erst entstand der heutige mächtige Innenraum mit seinem zweijochigen gotisierenden Kreuzrippengewölbe.
Von den bedeutsamen Details sind die gedrungenen Säulen mit ihren liebevoll gestalteten Kapitellen erwähnenswert, da Kapitelle und Säulen in der romanischen Pfeilerbasilika (mit Ausnahme der Vorhalle, der Ursula- und der Stephanuskapelle) nicht vorkommen. Die extrem komplizierte und mühsame Zuwegung über eine enge, steile, steinerne Wendeltreppe im Nordturm des Westwerks sowie das Fehlen eines angemessenen Fluchtwegs sind schon seit mehr als 200 Jahren dafür ursächlich, dass unsere Michaelskapelle der Öffentlichkeit leider nicht zugänglich ist.
Nichtsdestoweniger birgt sie in ihrem unmittelbaren Umfeld einige überraschende Besonderheiten, die wenige kennen dürften und die deshalb in den nächsten Beiträgen in Wort und Bild ausführlich vorgestellt werden sollen.
Text: Helmut J. Kirfel
Fotos: Manos Meisen