Die Darstellung Mariens als in den Himmel Aufgenommene und im Himmel Gekrönte

Im Marien- und Rosenkranzmonat Oktober spielt die Marienverehrung in der Kirche traditionell eine große Rolle. Die Steinfelder Basilika (Baubeginn: 1142) stand anfangs und über Jahrhunderte unter dem Patrozinium der Gottesmutter, wie so viele Prämonstratenserkirchen. Daher finden sich hier auch zahlreiche Darstellungen Mariens, und dies unabhängig von dem bekanntesten Steinfelder, dem hl. Hermann Josef, der zugleich auch der glühendste Marienverehrer in Steinfeld gewesen sein dürfte.
Die vier hier vorgestellten Kunstwerke wurden ausgewählt unter dem Aspekt, dass sie nur schwer aufzufinden sind und so den wenigsten Besuchern bekannt sein dürften.
Im Rahmen der umfangreichen Instandsetzungsarbeiten der 1930er Jahre wurden unter diversen Putz- und Farbschichten der Wände und der Decke mittelalterliche und frühneuzeitliche Ausmalungen freigelegt und unter anderem auch die ursprüngliche spätgotische Ausmalung der Apsis wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert genauer untersucht. Im Zentrum der künstlerischen Gestaltung stand ein Wandgemälde, das die Krönung Mariens durch Christus im Himmel zeigte. Da dieses nicht durch Putz- und Farbschichten „konserviert“ worden war, fand man es so schlecht erhalten, dass es nicht mehr gerettet werden konnte. Von dem Wenigen, was damals noch zu erkennen war, fertigte der Kunstmaler Josef Kurthen vor Ort eine „Kopie“ als zeichnerische Skizze, die das Wesentliche der Figuren, ihre Konstellation und die dargestellte Handlung andeutungsweise erkennen lässt. (Siehe oben links!)
Ursächlich für den Verfall war die Entscheidung kurz vor 1700, mit einer riesigen barocken Altarwand die Apsis zu verschließen und deren Ausmalung dem Vergessen anheim zu geben. Zur Erinnerung an das Patrozinium thront seither als eine Art Ersatz die gekrönte Gottesmutter als Strahlenkranzmadonna mit dem Jesuskind auf dem rechten Arm und einem königlichen Zepter in der linken Hand hoch oben über dem Hochaltar, die Decke mit ihrer Ausmalung aus dem frühen 16. Jh. fast berührend. (Unten links!)
Aber selbst auf einem der barocken Antependien des Altars war die Gottesmutter als „Königin“ präsent: Im Zentrum prangt unter einer Krone der künstlerisch eigenwillig gestaltete Schriftzug „Maria“ mit dem M in der Mitte vor dem doppelt zu lesenden A sowie dem R rechts und dem J links. (Unten rechts!)
Über der Tür zum Abgang von der Basilika in den Kreuzgang hängt in ihrem alten barocken Rahmen eine weitere Darstellung der Krönung Mariens. Sie erfolgte hier in selten anzutreffender trinitarischer Ausdeutung: Christus und Gottvater halten gemeinsam die Krone über das Haupt Mariens, während eine Taube als Verkörperung des Heiligen Geistes darüber schwebt und mit dem von ihr ausstrahlenden Licht optisch das Gegengewicht darstellt zum in ähnlicher Weise von einem hellen Lichtkranz umgebenen Haupt der zur Königin des Himmels Erhobenen. Dieses Gemälde diente vor dessen Entfernung als Altarblatt des genau gegenüber vor dem Pfeiler zwischen der Norbert- und der heutigen Potentinus-Kapelle gelegenen Marienaltars. Heute findet sich dort die bekannteste Marienskulptur der Basilika Steinfeld vom ausgehenden 15. Jahrhundert.
„MARIA, DU KÖNIGIN DER ENGEL, DU KÖNIGIN DER PATRIARCHEN, DU KÖNIGIN DER PROPHETEN, DU KÖNIGIN DER APOSTEL, DU KÖNIGIN DER MÄRTYRER, DU KÖNIGIN DER BEKENNER, DU KÖNIGIN DER JUNGFRAUEN, DU KÖNIGIN ALLER HEILIGEN, DU KÖNIGIN OHNE ERBSCHULD EMPFANGEN, DU KÖNIGIN AUFGENOMMEN IN DEN HIMMEL, DU KÖNIGIN VOM HEILIGEN ROSENKRANZ, DU KÖNIGIN DES FRIEDENS – BITTE FÜR UNS!
(AUS DER LAURETANISCHEN LITANEI)
Text: Helmut J. Kirfel
Fotos: Manos Meisen (u. l. und o. r.), Gudrun Klinkhammer (u. r.), H. J. Kirfel (o. l.)