FOLGE 50 der Steinfelder Besonderheiten! Der heilige Potentinus und seine Söhne Felicius und Simplicius, Patrone der Steinfelder Basilika (1)

Anders als von manchem Hermann-Josef-Verehrer vermutet, steht unsere Basilika unter dem Patrozinium des hl. Potentinus, dessen Patronatsfest am 18. Juni gefeiert wird oder werden könnte. Aufmerksame Beobachter erkennen, dass in Steinfeld zwei Varianten von Potentinus-Gestalten zu sehen sind. Hier soll zunächst die ältere vorgestellt werden, bekannt nur aus frühen, legendenähnlichen Erzählungen:
 
Potentinus entstammt einem frommen, adligen Elternhaus. Seine christliche Erziehung lässt in ihm schon früh eine besondere Frömmigkeit wachsen. Die Eltern haben allerdings weltlichere Pläne als der Sohn, der ihnen jedoch in striktem Gehorsam folgt. So geht er nach ihrem Willen eine christliche Ehe ein, der zwei Söhne entstammen, Felicius und Simplicius, in ihrer religiösen Ausrichtung getreue Abbilder ihrer Eltern.
 
Beruflich zeichnet sich Potentinus durch seine großen soldatischen Fähigkeiten aus. Sein nicht näher bezeichneter südfranzösischer „König“ ernennt den tapferen Adligen zum Heerführer („dux“), manche übersetzen den Begriff auch mit „Herzog“. Aber die Berufung zum vorbehaltlosen Dienst Gott allein gegenüber ist übermächtig im Vater wie auch in seinen Söhnen. So verlassen sie den königlichen Hof und begeben sich gemeinsam auf eine ausgedehnte Pilgerreise, in deren Verlauf sie auch nach Trier gelangen. Dort werden sie vom hl. Maximin (Bischof dort von 335 bis 346) freundlich empfangen. Dieser spürt schnell, dass es die drei nach einem Leben verlangt, das ganz dem Gebet in Zurückgezogenheit und Einsamkeit gewidmet ist. Daher verweist er sie weiter an einen frommen Priester, der in Karden an der Untermosel als eine Art Einsiedler lebt. Ihm schließen sie sich für den Rest ihres Lebens an. Nach ihrem unspektakulären Tod scheinen zahlreiche Wunder den Ruf der Heiligkeit, in dem alle vier gestorben sind, zu bestätigen. Ihre Reliquien sollen irgendwann im Laufe der Frühgeschichte eines Steinfelder Klosters im 10. oder 11. Jahrhundert von Karden nach Steinfeld überführt worden sein.
 
Dieser heilige „Bekenner“ Potentinus wird dargestellt als Krieger mit Lanze und Schwert im Wehrgehenk, manchmal auch in Ritterrüstung. Die Krone zu seinen Füßen deutet die Niederlegung seiner angeblichen „Herzogswürde“ an, der Wappenschild mit den drei Lilien soll auf seine französische Herkunft hinweisen. Aber Titel wie Lilienwappen sind anachronistische Beigaben, da so früh noch gar nicht existent. Die Verehrung dieses Laien, adligen Ehemanns und Vaters, Kriegers, Heerführers und schließlich Einsiedlers, der nie eine Weihe empfing, findet 1908 die offizielle päpstliche Anerkennung. Die ihm nicht nur in Steinfeld beigegebenen beiden Pfeile (Attribute des Martyriums) sind Zutaten aus einer späteren Zeit, die einen ganz anderen Heiligen aus ihm zu machen versuchte. In Karden (Bild Mitte unten) wurde dies schon dadurch korrigiert, dass man ihm statt der Pfeile ein Kreuz in die rechte Hand gab.
 
Im 12. Jahrhundert war man in Steinfeld mit diesem schlichten Mann und seinen frommen Söhnen nicht mehr zufrieden. Dies sollte allerdings fatale Folgen haben …
 
Text: Helmut J. Kirfel
Fotos (im Uhrzeigersinn):
St. Potentinus von der Seitenwand des nördlichen Chorgestühls in Steinfeld (um 1480): Dr. Christian Tegeler
St. Potentinus als überlebensgroße Skulptur am Nordostpfeiler des ersten Jochs (um 1500): GdG-Steinfeld
St. Potentinus - Monumentalmalerei am Nordostpfeiler des Vierungsjoches (um 1325): Manos Meisen
Verkleinerte moderne Potentinusstatue mit Kreuz in der Rechten aus dem Stift Karden/Mosel: H. J. Kirfel