Die Hauskapelle im Kloster Steinfeld

Der gegenwärtig als Hauskapelle der Gemeinschaften der Salvatorianerinnen und der Salvatorianer genutzte Raum nimmt das untere Geschoss eines im ausgehenden 15. Jahrhundert entstandenen zweigeschossigen Erweiterungsbaus des Klosters ein. Es bestand ursprünglich keine Verbindung zu den eigentlichen Klostergebäuden, die sich um den Kreuzgang herum gruppierten. So erklärt sich auch zunächst der „Treppenturm“, der in Halbkreisform dem Gebäude an der Nordwestecke vorgebaut wurde. Diese Treppe verband die im Obergeschoss gelegene Bibliothek mit dem Untergeschoss, das als Krankensaal gedient haben soll, weshalb das gesamte Erweiterungsgebäude (etwas irreführend) auch als „Krankenhaus“ bezeichnet wurde.

Das ist in der Vergangenheit aber nicht die einzige Nutzung dieses geräumigen, wohlproportionierten, aus vier kreuzgewölbten Jochen bestehenden, 21 m langen und 6,75 m breiten Saales im Untergeschoss gewesen. In der Frühzeit der Neubesiedlung des Klosters durch die Salvatorianer 1923 diente er der ordenseigenen Schule als „Turnhalle“ (Collage: unten links), später als Aula, unter anderem für Theateraufführungen oder auch Filmvorführungen.
Aber an der Ostwand blieb hinter der „Bühne“ immer ein Bogen mit einer in der Wand leicht zurückspringende Mauerfläche als Rest des Zugangs zu einer ehemaligen Apsis deutlich sichtbar. Als in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre die jetzige Hauskapelle eingerichtet wurde, lag es daher nahe, die Vermauerung dieses Durchgangs wieder zurückzubauen und auf den noch vorhandenen Fundamenten erneut eine Apsis zu errichten, in der sich heute das Tabernakel mit dem Sanctissimum befindet (links außen, 3. Foto von oben).

Die Gottesmutter hat ihren Ehrenplatz links vor dem Altar (links innen, 3. Foto von oben). Auf dem Altar selbst findet sich gegenwärtig eine kleine Figur des seligen Franziskus vom Kreuze Jordan in Erinnerung an die Seligsprechung des Gründers der Salvatorianer und Mitgründer der Salvatorianerinnen im Jahr 2021. Die diversen Nischen und Wandflächen lassen Raum für eine (schlichte) Nachbildung der Pietà aus der Basilika (links oben, 1. Foto), daneben eine kleine Skulptur des hl. Pfarrers von Ars, Jean-Marie Vianney, darunter links eine kleine, einfache Nachbildung der Hermann-Josef-Statue aus der Basilika und (auf der Collage daneben abgebildet) eine hölzerne Skulptur Johannes des Täufers, die früher in der Basilika auf einem der Beichtstühle im nördlichen Seitenschiff Aufstellung gefunden hatte.
Die Hauskapelle dient selbstverständlich in erster Linie den Schwestern und Patres als Raum des Gebets und der täglichen Feier der Eucharistie.

Aber auch zahlreiche andere Menschen nehmen diesen schönen Raum dankbar an etwa zur Feier der Eheschließung von Paaren mit einer überschaubar großen Hochzeitsgesellschaft, ebenso wie Gästegruppen, die in kleinerem Rahmen Gottesdienst feiern, oder immer wieder auch einzelne Gäste zum stillen Gebet. So ist aus dem Raum, den Erkrankte zur Genesung und junge Menschen zur körperlichen Ertüchtigung sowie zur gemeinsamen Bildung und Unterhaltung genutzt haben, ein Ort klösterlicher Ruhe, spiritueller Besinnung und privater wie gemeinsamer Frömmigkeit geworden.

Text: Helmut J. Kirfel
Fotos: Manos Meisen (oben rechts), Pfarrarchiv Steinfeld (unten links), Helmut J. Kirfel