Rätsel der unbeschrifteten Grabplatte in der Basilika gelöst

Jeder Besucher der Basilika Steinfeld hat sie schon einmal gesehen: die Grabplatte an der Wand beim Ausgang der Basilika. An den Ecken die Wappen von Wehr, Marmagen, Urft und Wahlen, die zur alten Herrschaft Steinfeld gehörten. Außer diesen vier Ortsnamen findet sich kein einziges Wort auf diesem graubraunen Sandstein. Nur einmal in der reichhaltigen Literatur über Steinfeld wird diese Steinmetzarbeit überhaupt erwähnt, und zwar als „Grabstein des 17. Jahrhundert“ (Ernst Wackenroder).

Ein leider viel weniger beachtetes Epitaph aus edlem schwarzen Marmor mit einem Chronogramm, das die Jahreszahl 1698 ergibt, und mit den Namen und Daten von elf Steinfelder Äbten an der Wand beim Abgang zur Äbtegruft ist in den zahlreichen Steinfeld-Führern und kunsthistorischen Abhandlungen bisher nie zu dem wenig eleganten Block aus Sandstein in Beziehung gebracht worden.

Der offenbar nun erstmals im Laufe der letzten 200 Jahren angestellte detaillierte Vergleich der beiden Steinmetzarbeiten hat ein überraschendes Ergebnis zutage gefördert: Die Sandsteinplatte ist ganz eindeutig eine Vorarbeit, ein Entwurf, sie diente offenbar als eine Art von Modell für die schwarze Marmorplatte.

Angesichts der fast vollständigen kompositorischen Übereinstimmung der beiden Monumente sind nur wenige technische und stilistische Unterschiede in den beiden Arbeiten erwähnenswert, einer davon ist allerdings spektakulär: Der Totenkopf über gekreuztem Gebein ist auf der endgültigen Arbeit ersetzt durch eine kunstvoll gestaltete barocke Totenmaske. Sie entstammt dem Konzept des barocken Welttheaters und weist eine schillernde Bedeutungsvielfalt auf. Sie erinnert einerseits an die Verstorbenen, kommentiert aber auch die Doppelbödigkeit und die Täuschungen des menschlichen Lebens und hat außerdem die abergläubische Funktion der Unheilsabwehr.

Wer Genaueres erfahren will, sei verwiesen auf den viel ausführlicheren Text im neuen „Jahrbuch des Kreises Euskirchen 2021“, Seite 24 – 27: „Das Rätsel der unbeschrifteten Grabplatte in der Basilika Steinfeld. Eine überraschende kunsthistorische Entdeckung“ von Helmut J. Kirfel.

Bildnachweis:

Sandsteinplatte und Ausschnitt aus der Marmorplatte: Manos Meisen

Schwarze Marmorplatte (Totale): Helmut J. Kirfel

Text: Helmut J. Kirfel