Das fünfglockige Geläut der Basilika Steinfeld


Es ist selten und nur mit der klösterlichen Vergangenheit zu erklären, dass die Pfarrkirche einer so kleinen Gemeinde wie Steinfeld über ein Geläut verfügt, das aus fünf Glocken besteht. Umso aufregender ist eine der seltenen „vertikalen Führungen“ zunächst die Westwerktürme hoch, dann durch den Dachstuhl über dem Gewölbe des Mittelschiffs, in den Vierungsturm und schließlich hoch zum Glockenstuhl.

Seit 1956 hängen die vier großen der fünf Glocken dort: die Salvatorglocke (Durchmesser: 1,42; Gewicht: 1.900 kg; Schlagton: d‘), die Marienglocke (Ø 1,26; 1.340 kg; Schlagton: e‘), die Hermann-Josef-Glocke (Ø 1,12; 930 kg; Schlagton: fis‘) und die Potentinus-Glocke (Ø 1,06; 800 kg; Schlagton: g‘).

Anlässlich der Gesamtüberholung und Stabilisierung des Glockenstuhls 1972 wurde der schon lange bestehende Wunsch nach einer fünften Glocke realisiert. Zwar konnte die ersehnte, sich in das Geläut harmonisch einfügende „tiefe“ Glocke nicht angeschafft werden, weil sie wegen der notwendigen Abmessungen nicht durch das Glockenloch der Vierung gepasst hätte. Stattdessen musste man sich mit einer kleineren fünften Glocke im Schlagton a‘ zufriedengeben.

Alle Glocken tragen lateinische Inschriften, von denen sie ihre Namen ableiten, wie zum Beispiel die Salvatorglocke (Collage, unten rechts): „Erlöser der Welt, sei unser Heil.“ [Salvator mundi, esto nobis salus] oder die Marienglocke (Collage, oben links): „Hl. Maria, Jungfrau, Mutter, Königin, erflehe uns den Frieden.“ [St Maria, virgo, mater, regina, roga nobis pacem]. Die fünfte Glocke hat eine deutsche Inschrift: „Michael, steh‘ uns bei im Kampf gegen die Macht des Teufels.“ Darunter in Anspielung auf die Geschichte des Erzengels: „Quis ut Deus?“  „Wer ist wie Gott?“) sowie zusätzlich mit Bezug auf den an der Stelle des Judas „zugewählten“ beziehungsweise „zugelosten“ zwölften Apostel: „Das Los fiel auf Matthias.“ Hier hat sich der damalige Pfarrer ein kleines Denkmal gesetzt, Pater Reinhard Dieffenbach SDS, der mit Taufnamen Matthias hieß, ein gebürtiger Eifeler war und deswegen von allen Bekannten nur „Mattes“ genannt wurde.

Das in der Zeit vor dem aktuellen bestehende vierglockige Geläut stammte aus dem Jahr 1927, musste aber im Laufe des Zweiten Weltkriegs an den Staat abgeliefert werden, so wie dessen Vorgänger 1917 im Ersten Weltkrieg zum Ein- und Umschmelzen in Kriegsgüter beschlagnahmt worden war.
Dieses Geläut damals stammte aus dem Jahr 1874, weil dessen Vorgängergeläut am 7. Oktober 1873 dem großen Brand infolge eines Blitzschlags zum Opfer gefallen war.

Das Läuten der Glocken der Basilika kann mehr als 500 Jahre zurückverfolgt werden bis in die Zeit des Abtes Johannes IV. von Düren (1492-1501), aus der uns die Anschaffung einer „Hauptglocke“ berichtet wird. „Bei der von ihm selbst vorgenommenen Weihe sollen mehr als 1.400 Freunde des Stifts anwesend gewesen sein, die freigiebig spendeten und bewirtet wurden.“ (I. Joester, 2019)

„DES KRIEGES STURM / RISS MICH VOM TURM 1917 / NEU ERSTANDEN SING ICH WIEDER / DIR MARIA JUBELLIEDER 1927.“ (INSCHRIFT VON DER MUTTER-GOTTES-GLOCKE VON 1927)
Text: Helmut J. Kirfel
Fotos: Dr. Christian Tegeler