Passion und Ostergeschehen im Spiegel der Glaskunst des Steinfelder Kreuzgangs

Im alten Steinfelder Stift konnten Konventualen und Besucher in der kunstvoll gestalteten Verglasung des Kreuzgangs zahlreiche Stationen der Heilsgeschichte, im Bild ausdrucksstark präsentiert, betrachtend sich vergegenwärtigen. Die hier gezeigten ehemals Steinfelder Scheiben aus dem Londoner Victoria & Albert Museum können dieses Erlebnis nur sehr unvollkommen ersetzen. Aber vielleicht sind sie dennoch in diesen Tagen dem einen oder anderen Anstoß, das Leiden Christi, sein Sterben und seine Auferstehung neu zu bedenken. Im Uhrzeigersinn, links oben beginnend:

1. Christus wird ans Kreuz genagelt (Gerhard Remisch, Köln, 1538-39)                                              

„Sie kamen an den Ort, der Schädelhöhe heißt; dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher, den einen rechts von ihm, den andern links.“ (Lk 23,33)

2. Christus stirbt am Kreuz (Gerhard Remisch, Köln, 1539-40)

Am Fuß des Kreuzes sind versammelt Maria, Jesu Mutter, zu ihrer Linken Johannes, zur Rechten Maria von Magdala, das Kreuz umarmend, im Hintergrund (neben Johannes) Maria Salome. Ein Engel fängt Christi Blut in einem goldenen Kelch auf: ein Hinweis auf die Eucharistie.

3. Christus wird ins Grab gelegt (Gerhard Remisch, Köln, 1539-40)

Es ist der Augenblick zu sehen, als Joseph von Arimathäa und Nikodemus den vom Kreuz abgenommenen, gesalbten und in Leinentücher gewickelten Leichnam Jesu in einen steinernen Sarkophag betten.

4. Christus ersteht von den Toten (bislang ebenfalls Gerhard Remisch zugeschrieben, Köln, 1540-42)

Während die Wachsoldaten in den Schlaf gesunken sind, schwebt der Auferstandene über dem Grab, gekleidet in einen purpurroten, wehenden Mantel, die Rechte zum Segen erhoben, in der Linken einen Kreuzstab haltend.

5. Die „Vermählung“ Evas mit Adam (Künstler unsicher, Köln, um 1522)

„Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde (…).“ (Gen 1,27-28) – Der „Baum der Erkenntnis“, den sie umstehen, weist voraus auf den Sündenfall (zusammen mit der Vertreibung aus dem Paradies dargestellt im oberen Teil des Fensters, der hier nicht abgebildet ist). Er findet im Neuen Testament sein Pendant im „Baum des Kreuzes“, an dem Christus seine Erlösungstat vollbringt.

6. Christus dargestellt als „Schmerzensmann“ (Gerhard Remisch, Köln, 1537)

Die linke Hälfte gehörte zu einem anderen, bisher noch nicht identifizierten Bild. Auf der rechten ist Christus dargestellt, mit einem purpurnen Mantel bekleidet. Er trägt ein Lendentuch, umfasst mit der Linken den Kreuzbalken und weist mit der Rechten auf seine Seitenwunde. In dieser Pose erscheint er eher als nachösterlicher triumphierender Christus denn als „Mann der Schmerzen“. Aber in ihm fallen eben beide Seinsweisen in eins.

Text:      Helmut J. Kirfel

Fotos:    Lizenz Creative Commons: CC BY-SA 3.0 bzw. 4.0