Spezialitäten im Kloster Steinfeld: Fratzen

An einer Reihe von Stellen im Bereich der Basilika und des Klosters trifft der Betrachter auf Fratzen, gemalt oder in Stuck ausgeführt. Diese Fratzen sind maskenartige, karnevaleske Gesichter mit weit aufgerissenen Augen, offenen Mündern, in vielen Fällen auch mit heraushängender oder gar herausgestreckter Zunge und wulstigen Lippen, manchmal sogar mit Teufelshörnern an den Köpfen, hässlich, abstoßend und furchteinflößend.
 
Sie sind in der Architektur häufig anzutreffende Elemente der Dekoration, mitunter mit der (meist scherzhaften) Nebenwirkung, den Betrachter zu erschrecken und Angst in ihm zu erzeugen, so wie wir es aus der Zeit der Fastnacht kennen. Aber sie sind in der Vergangenheit auch oft aufgeladen in einer Absicht, die in heidnischem Aberglauben wurzelt: nämlich in der Hoffnung auf ihre apotropäische Wirkung. Das heißt, sie sollen böse Geister abschrecken, in Zeit und Umfeld des Christentums auch den Teufel und die Dämonen. Sie sollen also die Menschen schützen vor der schädlichen Wirkung dieser dunklen Mächte der Hölle und des Todes.
 
In Steinfeld finden wir zwei von diesen Fratzen am Torhaus (eine innen, eine außen) über der Durchfahrt in den Ehrenhof, eine an der Orgelempore gegenüber dem alten Haupteingang der Basilika und gleich mehrere als Pfeifenbemalung an der dem Kirchenschiff zugewandten Schauseite der barocken Königorgel.
Sie sind Zeugen des uns eher fremden barocken Lebensgefühls aus der Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts, eines Gefühls der Freude am Leben in all seiner Vielfalt einerseits, aber auch der Furcht vor dem Bösen und Bedrohlichen andererseits.
 
„ICH WERDE MICH VOR DEM BÖSEN NICHT FÜRCHTEN, DENN DU BIST MIT MIR.
DU BIST MEIN GOTT, MEINE STÄRKE, MEIN MÄCHTIGER HERR,
HERR DES FRIEDENS, VATER DER ZUKÜNFTIGEN WELT.“
 
Text: Helmut J. Kirfel
Fotos: HeJo