Epitaph und Grabplatte des Johannes Arnold de Reux (14.08.1665 – 20.09.1746)

Für den Besucher der Steinfelder Basilika etwas versteckt, in der südlichen Seitenwand der jetzigen Potentinus-Kapelle gleich links vom Hochchor, ist ein 3,50 m hohes und 1,40 breites Epitaph eingelassen.
 
Es besteht aus poliertem rotweißen Urfter Marmor, zeigt oberhalb und unterhalb der vielzeiligen Inschrift in Hochrelief gearbeitete Symbole des Todes: unten einen Totenschädel auf gekreuztem Gebein mit dem Spruchband „AD REQUIEM EXTINCTUS“ („Zur [ewigen] Ruhe ausgelöscht“), das allerdings so stark beschädigt ist, dass nur noch das „AD“ zu lesen ist; oben im Giebel ein gekröntes Wappen mit nach links gerichtetem, aufrecht stehenden Löwen; darüber rechts eine zierliche engelartige Figur und links den Torso eines kaum bekleideten Mannes, der in einer Art Heroenpose, mit großen Schwingen geflügelt, himmelwärts blickt oder gar fliegt, dabei einen triumphalen Siegeskranz haltend, der umschrieben ist mit „IN REQUIE LUCET“ („In der [ewigen] Ruhe erstrahlt er noch“).
 
In die gegenüberliegende Wand ist die ursprünglich das Bodengrab vor dem Altar bedeckende Grabplatte eingelassen, aus weiß geadertem Blaustein, etwa 0,90 m x 1,80 m groß, verziert mit der Hostie über einem Priesterkelch, der von zwei Engeln flankiert wird. Dieser und besonders das Wappen darunter, das identisch ist mit dem des Epitaphs, weisen darauf hin, dass Grabplatte und Epitaph zu demselben Grab gehören.
 
Die ausführliche, aber schwer lesbare Inschrift des Epitaphs verrät die Identität des Toten: Johannes Arnoldus de Reux (gestorben mit „mehr als 80 Jahren“ am 20. September 1746), Herr in Antweiler, 26 Jahre lang Generalvikar des Kölner Erzbischofs, Kurfürstlicher Rat, Offizial, Richter von Bonn-Vilich. „Aus Ekel vor dem Lärm der Welt hat er [unmittelbar vor seinem Tod] mehr als zwei Jahre still verborgen im Kloster zu Steinfeld zugebracht.“ – Wie war das Prämonstratenserstift Steinfeld wohl zu dieser Ehre gekommen?
 
De Reux, bekannt für seine eifrigen Bemühungen um die Hebung der zumeist recht bescheidenen Bildung des damaligen Weltklerus, war den Steinfeldern besonders freundlich gesinnt, weil sie im Seelsorgedienst des Erzbistums wertvolle Arbeit leisteten. Um das Jahr 1700 hatten Steinfelder Chorherren mehr als 30 Pfarrer- und Kaplanstellen allein im rheinischen Teil des Erzbistums inne. Sie waren für diese Arbeit auch besonders gut qualifiziert, da die Prämonstratenser seit 1614 in ihrem „Steinfelder Hof“ nahe der Kirche St. Gereon in Köln ein eigenes Priesterseminar, das Collegium Norbertinum, unterhielten, wo sie „ihre“ Geistlichen ergänzend zum Universitätsstudium auf das Priesteramt vorbereiteten und auch für die Pfarrseelsorge zusätzlich gezielt ausbildeten. Anders als andere „exemte“ (das heißt: unmittelbar und nur dem Papst unterstellte) Orden, pochten die Steinfelder Prämonstratenser nicht auf dieses auch ihnen vom Papst verbriefte Recht, wenn sie im Dienst des Erzbistums sich dem Erzbischof von Köln bereitwillig unterordneten. Mehrfach hatte de Reux deshalb aus Dank den Steinfeldern Zeichen seines Wohlwollens erwiesen. Daher würde man modern wohl von einer „win-win“-Beziehung sprechen.
 
Dass dieses Grabdenkmal nicht gerade ein Zeugnis priesterlicher Bescheidenheit darstellt, kann nicht dem Verstorbenen angelastet werden, denn: „Dieses Denkmal setzten die frommen und dankbaren Erben 1748.“ Die tatsächliche Höhe der Erbschaft ist nicht bekannt.
 
Text: Helmut J. Kirfel
Fotos: Manos Meisen