Steinfelder Besonderheiten: Die Darstellung des Sturzes der gefallenen Engel in der Basilika Steinfeld

Nicht nur im Christentum findet sich die Vorstellung des bösen Engels, der es wagt, sich gegen Gott selbst aufzulehnen. Gott bestraft ihn und die ihm anhängenden Engel, indem er sie aus dem Himmel vertreiben lässt: der „Engelsturz“. Die Kirchenväter, besonders Augustinus, haben dies theologisch gedeutet.

Sie betonen die gottgegebene Willensfreiheit im Engel wie im Menschen, die die freie Entscheidung zu sündigen begründet, ja sogar die Möglichkeit des Abfalls von Gott nicht ausschließt.
 
In unserer Basilika ist dieses Geschehen auf dem vorletzten Gurtbogen des Langhauses vor der Vierung künstlerisch gestaltet. Im Zentrum des Bogens oben ist Gott im Himmel auf einem Thronsitz dargestellt mit je einem treuen, guten Engel rechts und links, in anbetender Haltung Gott zugewandt.
 
Daran schließt sich zur Rechten Gottes der Erzengel Michael an, kämpfend mit einem Flammenschwert in der einen und einem Schild in der anderen Hand. Zu Gottes linker Seite sieht man einen weiteren mit einem Schwert in der Hand kämpfenden Engel Gottes.
Auf jeder der beiden Seiten sind daran anschließend die Kampfgegner der guten Engel auszumachen: Sie sind zu drachenähnlichen, teils gehörnten, teils geflügelten oder geschuppten Fantasiewesen entstellt, in die sie die Rebellion gegen Gott verwandelt hat: in Teufels- und Dämonengestalt gekleidete Verkörperungen des Bösen, die am Ende ihres „Sturzes“ das verdiente ewige Feuer der Hölle erwartet.
 
Die drastische Form des Dargestellten unterstreicht die Eindringlichkeit der Bildpredigt in einer Zeit, in der die Menschen über das geschriebene Wort nur in sehr begrenzter Zahl erreicht werden konnten.
 
„DA ENTBRANNTE IM HIMMEL EIN KAMPF; MICHAEL UND SEINE ENGEL ERHOBEN SICH, UM MIT DEM DRACHEN ZU KÄMPFEN. DER DRACHE UND SEINE ENGEL KÄMPFTEN, ABER SIE KONNTEN SICH NICHT HALTEN, UND SIE VERLOREN IHREN PLATZ IM HIMMEL. ER WURDE GESTÜRZT, DER GROßE DRACHE, DIE ALTE SCHLANGE, DIE TEUFEL ODER SATAN HEIßT UND DIE GANZE WELT VERFÜHRT; DER DRACHE WURDE AUF DIE ERDE GESTÜRZT, UND MIT IHM WURDEN SEINE ENGEL HINABGEWORFEN. DA HÖRTE ICH EINE LAUTE STIMME IM HIMMEL RUFEN: JETZT IST ER DA, DER RETTENDE SIEG, DIE MACHT UND DIE HERRSCHAFT UNSERES GOTTES UND DIE VOLLMACHT SEINES GESALBTEN.“ OFFB 12,7-10
 
Text: Helmut J. Kirfel
Fotos: Manos Meisen