Pater Egino Manall SDS und der „Bildersturm von Blankenheimerdorf“

Steinfeld/Blankenheimerdorf. Über die Recherche zum so genannte "Teppichfenster" in der Kirche St. Peter und Paul in Blankenheimerdorf kam eine merkwürdige Geschichte ans Tageslicht, in der der Salvatorianer Pater Egino Manall SDS eine Hauptrolle spielt. Wie der Steinfelder Chronist Helmut J. Kirfel herausfand, wurde Pater Egino Manall 1907 in Biberach an der Riss geboren. Nach Theologiestudium und zusätzlichem Kunststudium war er wohl ab 1938 Lehrer in der Ordensschule der Süddeutschen Provinz der Salvatorianer in Lochau bei Bregenz am Bodensee. Als diese Schule von den Nazis geschlossen wurde, schickte man ihn in die Norddeutsche Provinz, und zwar ausgerechnet nach Kloster Steinfeld. Kirfel: "Warum er genau nach Steinfeld geschickt wurde, das ist nicht nachvollziehbar, denn ab Ostern 1940 wurde auch die Steinfelder Schule geschlossen, was den Schülern schon vor Weihnachten 1939 mitgeteilt worden war." 1941 begegnet Egino Manall als Militärpfarrer der deutschen Wehrmacht in Norwegen, eine Funktion, die er bis 1945 behalten haben soll. Gleich danach ging er als Lehrer zurück in die Süddeutsche Provinz, diesmal nach Bad Wurzach, wo die Süddeutschen Salvatorianer ein Gymnasium unterhielten, das auch heute noch besteht. Dort arbeitete er bis Ende der 1970er Jahre als Kunstlehrer, war aber immer auch als freier Künstler aktiv.

Was er auf jeden Fall während seines Aufenthaltes in Steinfeld machte: Er malte die Kirche St. Peter und Paul in Blankenheimerdorf im hinteren Altarbereich aus. Zahlreiche Fotos, angefertigt vom damaligen „Dörfer“ Pfarrer Hermann Lux, ebenso ein von Lux von Hand geschriebenes Schriftstück, belegen diese Tätigkeit von Egino Manall. Als Vorlage für die Gesichter der gemalten Figuren dienten wohl Einwohner von Blankenheimerdorf. Im Buch "Hermann Lux", geschrieben von Peter Baales und Johann Vossen und herausgegeben vom Dörfer Geschichts- und Kulturverein 1992 e.V. 2016, ist die Handschrift von Hermann Lux zu lesen: "Am 23. September 1940 begann Pater Egino Manall SDS vom Kloster Steinfeld mit der Ausmalung des Chors der Kirche. Zuerst wurde der alte Putz an den Stellen, wo die Bilder hinkommen sollten, bis auf die Steine herunter gehauen. Täglich wurde nur so viel verputzt, wie der Maler in den Putz hereinmalen konnte. Am 17. Oktober waren die Bilder fertig und am 27. Oktober wurden sie feierlich enthüllt." Der Maler erklärte in seiner Predigt den Sinn der Bilder: Rechts die Hl. Elisabeth als Patronin der Caritas, links der Sel. Hermann-Josef als Patron der Gottesliebe. In der Mitte Passionssymbole: Die gekreuzigte und menschgewordene Liebe. Die Fresken sind sehr würdig und zur Besinnung einladend. Kosten circa 900 Mark, der Preis von zwei Kühen. Das Geld wurde durch monatliche Kollekten von Januar bis Oktober aufgebracht."

Was dann circa 50 Jahre später geschah, kann bisher niemand wirklich erklären. Auch Helmut J. Kirfel wundert sich, dass damals anscheinend der Denkmalschutz nicht eingegriffen hat. Der Amtsnachfolger von Pfarrer Hermann Lux, Pfarrer Johannes Weber, ließ die Gemälde von Pater Egino Manall und weitere Deckengemälde von Künstler Ernst-Johann Jansen-Winkeln einfach übermalen. Angeblich kann die Übermalung allerdings jeder Zeit wieder so abgetragen werden, dass die Bilder wieder sichtbar werden. Heimatforscher, Chronist und Autor Peter Baales schreibt dazu: "Wie schon bemerkt, bleibt es für mich unbegreiflich, dass nach circa 50 Jahren der Amtsnachfolger Pfarrer Weber alles widerstandslos - ohne Einspruch zum Beispiel des Kirchenvorstandes - beseitigen konnte. Dieser "Dörfer Bildersturm" bleibt für immer eine unverzeihliche Kultur-Schande! In der neu gestalteten Kirche gab es kein einziges Kreuz mehr, alles weg! Wem ist das damals aufgefallen?" Derart ratlos wird diese Geschichte noch heute betrachtet, stehen doch weitere Arbeiten, etwa von Jansen-Winkeln in der Sistiger Kirche, längst unter Denkmalschutz.