Die Geschichte des Klosters

Übersicht auf dem Zeitstrahl

Ereignisse in Steinfeld

Jahr

Ereignisse in der Welt

Gründung einer Kirche im geschichtlichen Dunkel um 920

900

Otto der Große (* 912)

 

950

Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (962-973)

 

1000

Leif Eriksson (975 bis 1020) entdeckt um 1000 als erster Nordamerika

Erste Klostergründung in Steinfeld um 1070

1050

 

1121 kommen Regularkanoniker nach Steinfeld

Um 1130 nehmen sie die Ordensregel der Prämonstratenser an

1142 Grundsteinlegung des Basilika in Steinfeld

1100

 

1184 wird Steinfeld zur Abtei erhoben

1150

Von 1095 bis 1291 finden die Kreuzzüge statt – Ziel ist die Befreiung Jerusalems und des Heiligen Landes von den „Ungläubigen“

König Richard (Löwenherz) regiert England von 1157 bis 1199

Der Heilige Hermann Josef stirbt um 1240

1200

 

 

1250

 

 

1300

Die Pest erschüttert Europa im 14. Jahrhundert

Unter Abt Gottfried Bongenberg (1381 bis 1388) wird das Kloster von den Bretonen überfallen, der Abt wird grausam ermordet.

1350

 

Ende des 15. Jahrhunderts: Neuerrichtung des Kreuzgang in gotischem Stil

1400

 

 

1450

Gutenberg druckt die erste Bibel zwischen 1450 und 1456

Reformation in Deutschland: Martin Luther, Theologe und Reformator (1483 bis 1546)

Ab ca. 1500 nach den schwierigen Jahren (u.a. Pest): Beginn einer neuen Blütezeit für Steinfeld.

Von 1522 bis 1557: Verglasung des Kreuzgangs durch kunstvolle Glasmalereien

1500

1534 entdeckt Kopernikus das Heliozentrische Weltbild

 

1550

 

 

1600

Ganz schwierige Zeiten für Europa: der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1848)

 

1650

 

 

1700

 

Abt Evermodus Claessen aus Gangelt (1767-1784) gibt der Klosteranlage seine heutige Form einschließlich der umfassenden Klostermauer mit dem großen Eingangstor

1750

Die Französische Revolution (1789 bis 1799)

Napoleon Bonaparte (1799 bis 1815)

 

1802: Aufhebung der Abtei durch Napoleon, Klosterkirche wird Pfarrkirche, Andreaskirche wird abgerissen, Klostergebäude werden verkauft und Kunstgegenstände verschleudert.

1844 gelangt das Kloster in den Besitz des Preußischen Staates und wird zur Erziehungsanstalt

1800

 

 

1850

 

1923 Übernahme des Klosters durch die Salvatorianer, Errichtung einer Schule und eines Internats

1900

1914 bis 1918 Erster Weltkrieg

1939 bis 1945 Zweiter Weltkreig

Hermann Josef darf als Heiliger verehrt werden (1958).

1960 Die Steinfelder Kirche wird Päpstliche Basilika (basilica minor)

850 Jahre Basilika Steinfeld (1992)

1950

1969 Neil Armstrong landet für Amerika auf dem Mond

1990 Deutschland wird wiedervereinigt

 

2000

 

weiterlesen: Geschichte bis zur Erhebung zur Abtei 1184

920 bis 1184

Um das Jahr 920 wird zum ersten Mal der Name Steinfeld genannt. Graf Sibodo von Hochstaden lässt die Gebeine des heiligen Bekenners Potentinus und seiner beiden Söhne Felicius und Simplicius mit Erlaubnis des Erzbischofs Rutger von Trier von Carden an der Mosel nach Steinfeld überführen. Dort soll der Graf ein Jagdschloss besessen haben, das er in ein Benediktinerinnenkloster umwandelte. Erzbischof Wigfried von Köln (925 bis 953) weihte das Gotteshaus ein. 

Da bei den Ordensfrauen die Ordenszucht verfiel, erwarb der Erzbischof Friedrich von Köln (1100 bis 1131) das Kloster von der Are und rief im Jahr 1097 Augustiner-Chorherren aus dem Stift Springiersbach im Kreis Wittlich nach Steinfeld. Eine bereits errichtete Kapelle zum hl. Andreas erhielt die Rechte einer Pfarrkirche. Die Stiftungsurkunde des Erzbischofs Friedrich, die die Rechte und Pflichten des Klosters regelte, ist die älteste noch erhaltene Urkunde von Steinfeld.
Der hl. Norbert von Xanten gründete um 1121 den Orden der Prämonstratenser, den er auf der Regel der Augustiner-Chorherren aufbaute. Kurze Zeit später, unter dem ersten Propst Evervin von Helfenstein (1121-1151), der die heiligen Norbert und Bernhard von Clairvaux persönlich kannte, schloss sich der Konvent um 1138 den Prämonstratensern an.  
Dieser Propst war für das Kloster Steinfeld von überragender Bedeutung. Im Jahr 1142 legte er den Grundstein zu einer neuen Klosterkirche. In einer Bauzeit von acht Jahren wurde die heute Basilika als dreischiffige, romanische Gewölbekirche erbaut. Unter Evervin begann für Steinfeld eine Entwicklung, die es zu einem der bedeutendsten Klöster in  Deutschland werden ließ. Er war es auch, der schon bald Steinfelder Mitbrüder zu Tochtergründungen aussandte. Tochtergründungen gab es in Holland, Irland und Deutschland (Duisburg-Hamborn), vor allem aber auch im Osten. Von besonderer Bedeutung ist die Gründung des Stiftes Strahov oberhalb von Prag (1140).
Der zweite Propst Ulrich (1152 bis 1170) orientiert sich an der Erneuerungsbewegung der Kirche, die von Frankreich ausgeht und mit den Orten Citeaux, Clairvaux und auch Prémontré verbunden ist. 1163 unterstellt der selige Friedrich von Mariengarten seine Neugründung in Friesland dem Kloster Steinfeld. Probst Ulrich nimmt auch den jungen Hermann von Köln, den späteren hl. Hermann Josef, in den Konvent auf, der später seine Studien im Kloster Mariengarten absolviert. 
1184 nach dem Tod des fünften Steinfelder Propstes wird Steinfeld zur Abtei erhoben und bis zur Auflösung während der Säkularisation 1802 stehen 44 Äbte in ununterbrochener Reihenfolge der Klostergemeinschaft vor.
 
 

1184 bis 1802

Nach der Erhebung zur Abtei im Jahr 1184 hatte das Kloster Steinfeld viele Jahrzehnte eine friedliche Zeit, sich zu entfalten und wirtschaftlich zu sichern. Dem Auftrag des Ordensgründers entsprechend übernahmen die Steinfelder Chorherren die Seelsorge in der ganzen Region. So wurde Steinfeld bald zum Archidiakonat mit den Orten Steinfeld, Kall, Krekel, Reifferscheid, Ripsdorf und Sistig, wahrscheinlich auch Harperscheid, Hellenthal, Schleiden und Wildenburg. Außerdem übten die Steinfelder Prämonstratenser die Seelsorge in zahlreichen Pfarreien eines Gebiets aus, das von St. Dionysius in Krefeld bis nach Wehr bei Laach und bis an die Nahe im Süden reicht. 

Der spätere heilige Hermann Josef wird von Probst Ulrich in den Konvent aufgenommen, studiert in Mariengarten und ist bis zu seinem Tode Chorherr in Steinfeld. Seine Frömmigkeit und sein mystisches Charisma sind für seine Zeitgenossen so überwältigend, dass gleich nach seinem Tod (ca. 1241) eine nicht mehr endende Verehrung beginnt. Sicher hat dazu auch eine Vita beigetragen, die ein Mitbruder aus eigener Kenntnis kurz nach seinem Tod fertigte. 

Die Abtei war gefestigt, aber im 14. Jahrhundert folgten Krieg und Unruhen. Auch im Innern war nicht alles so, wie man es sich wünschen konnte. Missernten und Hungersnot wurden zur Plage der ganzen Region. So wurde man in Steinfeld gezwungen, einige Liegenschaften zu veräußern um zu überleben. Hinzu kamen die furchtbaren Auswirkungen der Pest, die auch vor den Toren des Klosters nicht Halt machten. Innerhalb von 47 Jahren residierten sechs Äbte. 

Auch die Steinfelder Chorherren gerieten in die Auseinandersetzung zwischen dem rechtmäßigen Papst Urban VI. und dem Gegenpapst Clemens VII. Steinfeld stand ganz auf der Seite des rechtmäßigen Papstes. So überfielen die Bretonen das Kloster, steckten die Kirche in Brand und schleiften die Mauern. Abt Gottfried Bongenberg (1381 bis 1388) wird verschleppt und ermordet. 

Nach diesen schlimmen Ereignissen bauten die folgenden Äbte mit der Gemeinschaft das Kloster Steinfeld wieder auf und führten es vor allem wieder zu einem religiösen und spirituellen Mittelpunkt der Nordeifel. Doch selbst einige Mitbrüder fanden die Reformen zu streng. Und so soll der Abt Jakob I. (1412 bis 1416) durch die Hand von zwei eigenen Mitbrüdern ermordet worden sein. Seine Nachfolger jedoch setzten das Reformwerk fort und so wird Steinfeld in seiner neuen Blüte zu einem der bedeutendsten Klöstern Deutschlands. 

Auch die Auseinandersetzungen in der Reformationszeit und der Dreißigjährige Krieg gingen nicht spurlos an Steinfeld vorüber. Dennoch war Steinfeld durch die Jahrhunderte auch ein Ort der Theologie. So gründete Abt Christoph Pilkmann aus Bonn (1606 bis 1630) für Klöster der rheinisch-westfälischen Zirkarie in Köln das Collegium Norbertinum. Weitere Äbte von Steinfeld stellten mehrfach den Rektor der Universität zu Köln. 

Auch in Steinfeld selbst zeigt sich die Bedeutung. Vor allem in den Jahren des Abtes Evermodus Claessen aus Gangelt (1767 bis 1784) wird Steinfeld renoviert, baulich erneuert und erweitert. Es erhält unter diesem Abt seine heutige Form bis hin zu der 1,6 km langen Umfassungsmauer mit dem großen Eingangstor, das auch heute noch die Besucher, Wanderer und Pilger mit offenen Toren empfängt.

Doch kaum war alles fertig gestellt, bereitete ein Napoleonisches Dekret im Jahre 1802 allem klösterlichen Leben ein gewaltsames Ende. Die Chorherren werden vertrieben, der letzte Abt Gilbert Surges (1790 bis 1802) wird der erste Pfarrer von Steinfeld. Die Klosterkirche wird zur Pfarrkirche und St. Andreas, die ältere (Pfarr)-Kirche, wird abgerissen. Der wertvolle Potentinus-Schrein wird nach Paris gebracht (heute im Louvre), die Bibliothek wird verschleudert bzw. verbrannt und die Ländereien werden parzelliert und ebenfalls verschleudert. Die Abtei selbst wird versteigert und kommt später in den Besitz des preußischen Staates.  

 
 

1802 bis heute

Nach der Aufhebung der Abtei Steinfeld 1802 durch einen politischen Raubakt – der Besitz wurde von französischen Kommissaren versteigert und verschleudert und die Chorherrn wurden vertrieben – begann für das Kloster eine schwierige Zeit. Die Abteikirche blieb zwar als Pfarrkirche für die Ortsgemeinde erhalten, aber wer sollte sich um die große Klosteranlag kümmern

Über 120 Jahre blieb die Abtei in weltlichem Besitz und diente verschiedenen Zwecken. Nach langem Hin und Her übernahm der Preußische Staat das Anwesen und richtete 1844 im Kloster Steinfeld eine „Königlich-Preußische Erziehungsanstalt“ ein. Diese Nutzung entsprach sicher nicht den Vorstellungen für die Nutzung eines Klosters, aber so wurde wenigstens der totale Verfall verhindert.

1873 gab es einen schlimmen Brand des Dachgestühls und des Vierungsturms. Dies führte schließlich dazu, den Kölner Architekten und Diözesanbaumeister Heinrich Wiethase (1833 bis 1893)mit der Erneuerung der Westfassade zu beauftragen. Bei dieser Erneuerung (1884) bekam das Westwerk seine markante Gestalt mit den zwei hohen, runden Türmen. Bei der letzten Sanierung (2010) wurde es dann verputzt und erstrahlt nun – wie die ganze Basilika – in leuchtendem Weiß.  

Bis 1923 blieb die Erziehungsanstalt in Steinfeld, als die Salvatorianer das Kloster übernahmen. Die ersten Jahre waren für die Ordensleute sehr schwer, mussten sie doch die heruntergewirtschafteten Gebäude auf Vordermann bringen. Die Salvatorianer übernahmen die Pfarrseelsorge und errichteten gleich 1924 ein Gymnasium mit einem Internat vornehmlich für den Ordensnachwuchs. Durch den 2. Weltkrieg und die Nähe zum Westwall kam erneut eine schreckliche Zeit auf Kloster und Umgebung zu.

Nach dem Krieg konnte die von den Nazis geschlossene Schule wiedereröffnet werden und wurde 1958 zum Vollgymnasium ausgebaut (Schulneubau 1959 mit verschiedenen Erweiterungen bis 1985). Die Salvatorianer etablierten im Kloster Steinfeld einige apostolische Werke: Verlagsbuchhandlung (heute Klosterladen), Gäste- und Bildungshaus und Akademie Kloster-Steinfeld. Steinfeld wurde so wieder zu einem Zentrum der Bildung und Spiritualität, Kunst und Kultur über die Region hinaus.

Und so gilt der Ausspruch über Steinfeld in einer Festschrift von 1747 noch heute: „Das Haus auf dem Felsen, in dem das Licht wohnt, in dem kein Raum für Finsternis war, noch ist, noch sein wird.“