Die Gewölbeausmalung der Basilika Steinfeld

Einen entscheidenden Beitrag zu dem Eindruck, den die Basilika Steinfeld als Gesamtkunstwerk im Besucher hinterlässt, leistet die Deckenausmalung, deren Anfänge in das erste und zweite Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts zurückreichen. Abt Gottfried II. (1509-1517) soll einen Meister Hubert aus Aachen damit beauftragt haben.
Seit etwa 1700 war diese Ausmalung wegen der konsequenten Barockisierung des Basilikainnern unter Putz und wiederholter weißer Decken- und Wandübermalung verborgen und (fast) schon der Vergessenheit anheim gegeben. Aber möglicherweise hat gerade dieser Umstand zur „Rettung“ der Malerei entscheidend beigetragen.

Denn erst um 1930 wurden die vorbarocken Decken- und Wandmalereien im Rahmen der großangelegten Restaurierung der Basilika von Josef Kurthen wiederentdeckt und (mit Ausnahme der Apsisausmalung) bis 1936 „renoviert“, das heißt also nicht bloß „aufgefrischt“ oder gar nur konserviert. Jedes florale Motiv dieser Decke erweist sich bei genauer Suche und Vergleich als Unikat.
Zum Stil der vorgefundenen Malerei schreibt Kurthen 1932: „Das Rankenwerk der Kappen, das in Kaltgrün und Schwarz mit roten Blattumschlägen und blassbunten Blumen, rhythmisch sicher und frei bewegt, locker und klar auf hellem Fond steht, gibt sich noch durchaus spätgotisch, wogegen die pastellartig-schummerig in gebrochenen Farbtönen hingewischten Gewölbebögen, die den Steinton der Pfeiler und Rippen als Grundton weiterführen, bereits ausgesprochenes Renaissanceornament aufweisen.“

Aus Studiengründen hat der damalige preußische Denkmalschutz glücklicherweise dafür gesorgt, dass über der Orgelbühne im nördlichen Seitenschiff vor dem Notausgang zum Obergeschoss des Kreuzgangs ein einziges kleines Element der ursprünglichen Deckenausmalung im Original konserviert erhalten ist. Es ist auf unserer Collage oben rechts in der Ellipse zu sehen.

„DANN SPRACH GOTT: DIE ERDE LASSE JUNGES GRÜN SPRIEßEN, GEWÄCHS, DAS SAMEN BILDET, FRUCHTBÄUME, DIE NACH IHRER ART FRÜCHTE TRAGEN MIT SAMEN DARIN AUF DER ERDE. UND SO GESCHAH ES. DIE ERDE BRACHTE JUNGES GRÜN HERVOR, GEWÄCHS, DAS SAMEN NACH SEINER ART BILDET, UND BÄUME, DIE FRÜCHTE TRAGEN MIT SAMEN DARIN NACH IHRER ART. GOTT SAH, DASS ES GUT WAR. ES WURDE ABEND UND ES WURDE MORGEN: DRITTER TAG.“ (GEN 1,11-13)

Text: Helmut J. Kirfel
Fotos: Manos Meisen
Foto in der Ellipse: Helmut J. Kirfel