Die Steinfelder Altäre – Geschichte und Bildprogramm (3): Der Auferstehungsaltar

Ein Ölgemälde auf Holz, stilistisch angelehnt an die Arbeiten des niederländischen Malers Jan van Scorel (1495-1562), stellt die Auferstehung Jesu in recht drastischer Weise dar: Die Öffnung des Grabs im Fels, bereits vom verschließenden Stein befreit, lässt gähnende Leere erahnen. Die Soldaten, die wohl als Wächter vor dem Grab postiert waren, sind in Panik vom Geschehnis abgewandt. Zwei sind in heller Flucht, zwei andere wenden sich, wie vom gleißenden Licht geblendet, ihr Gesicht schützend ab. Einer scheint wie durch die Luft geschleudert. Kopfüber zur Erde gestürzt, vergräbt er sein behelmtes Haupt in einer Bodendelle. Hoch über dem leeren Grab, vor einer Kulisse übernatürlicher Helligkeit, schwebt der auferstandene Christus, in der Rechten die Siegespalme, in der Linken die am Kreuzesstab flatternde Osterfahne, Zeichen des Sieges über Sünde und Tod.

Das Geschehen wird dargestellt als für diese Menschen „un-erträglich“ (sie verlieren das Bewusstsein), „un-ausstehlich“ (sie fallen zu Boden, ergreifen die Flucht), „un-begreiflich“ (es ist auch in der Sprache des Bildes nicht zu ergreifen). Dabei dürfte dem Betrachter damals wie heute sehr wohl bewusst (gewesen) sein: „Jesu Auferstehung ist (…) nicht die Rückkehr eines Verstorbenen in die Daseinsbedingungen des irdischen Lebensweges des Menschen, und darum auch kann er nicht auf natürliche Weise gesehen und erkannt werden.“ (G. L. Müller) Aber es handelt sich eben auch nicht nur um die damals gängige Vorstellung eines Weiterlebens seiner Seele nach platonischem Muster. Die uns heute befremdende Drastik dieser Darstellung auf dem Altarbild, die sogar die Wundmale des Gekreuzigten erkennen lässt, weist deutlich darauf hin, dass Jesus mit allem, was ihn ausmacht, mit seiner ganzen Geschichte, mit Leib und Geist und Seele aufersteht.

Das haben selbst seine Jünger zunächst nicht verstanden. Denn nach seinem Tod waren sie ratlos und mutlos, gingen ihren gewöhnlichen Beschäftigungen wieder nach und meinten, alles sei nun aus und zu Ende. Deswegen ist das kleinere Bildmedaillon im oberen Teil des Altares so entscheidend: Jesus erscheint den Emmausjüngern beim Brechen des Brotes. Diese bekannte Szene ist stellvertretend für eine Reihe weiterer, in denen er als Auferstandener „isst“, Fische „brät“ oder Thomas anbietet, seine Hand in seine Seitenwunde zu legen. Diese Erlebnisse und auch ihre Darstellung in der Kunst können uns vor einer falschen Spiritualisierung bewahren. Die durch Kreuzestod und Auferstehung bewirkte Errettung vom Tod ist nicht ein nur geistiges Geschehen. „Nicht nur eine blutleere Seele wird gerettet, sondern unsere gesamte Lebensgeschichte, unser Fleisch und Blut, alles, was wir gewesen sind.“ (G. Lohfink) Jeder Augenblick, den ein Mensch gelebt hat, auch Zeiten der Verwundung und des Leidens, wird hineingenommen in das ewige Leben bei Gott. So wie Jesus dort lebt, „erhöht zur Rechten des Vaters“, so darf auch der Mensch darauf hoffen, dass er in verwandelter, vollendeter Form nicht mehr stirbt in Ewigkeit, das heißt: jenseits der uns bekannten Bedingungen von Raum und Zeit.

Dass dieser Glaube und dieses Vertrauen, wenigstens aber diese Hoffnung niemals in uns erlöschen mögen, ist der tiefste Osterwunsch, den wir einander zusprechen können.

 

„In dieser Nacht, die erhellt ist durch die Auferstehung unseres Herrn (…) segne uns der gütige Gott. (…) In Christus haben wir Anteil am ewigen Leben, in ihm führe uns Gott zur unvergänglichen Herrlichkeit.“ (Nach dem feierlichen Schlusssegen der Osternacht)

 

Text:    Helmut J. Kirfel

Fotos:  Manos Meisen und GdG Steinfeld