Steinfelder Besonderheiten: Hermann Josef von Steinfeld in der modernen Kunst (2)

Dass unser Heiliger auch in der modernen Malerei vorkommt, ist nur wenig bekannt. Die elf „Szenen aus dem Leben des hl. Hermann Josef von Steinfeld“ aus dem Jahr 1988 sind das Ergebnis einer Kooperation: P. Dr. Bernward Meisterjahn SDS verfasste die Texte in Anlehnung an die mittelalterliche „Vita“ des Heiligen. Jeweils einer Szene zugeordnet sind ganzseitige „Illustrationen“, die die Kölner Künstlerin und Kunsterzieherin Liselotte Krause (* 27.08.1931) geschaffen hat.

In recht freier Weise lehnte sie sich dabei an die Gestaltung der Pergamentseiten in einem mittelalterlichen Kodex an. Findet sich dort meist die künstlerische Ausmalung der „illuminierten“ Initialen, so wurde hier jeweils ein Bild ganzseitig in Aquarelltechnik geschaffen, das als Hintergrund für die im Goldton gehaltene handschriftliche Wiedergabe des zugehörigen Drucktextes dient. Die gewählte Schrift hat kalligraphische Qualität, ist aber viel freier, keinem festgelegten Schrifttyp verpflichtet, sondern eine moderne Majuskelschrift, die entfernt an Unzial-Schriften des frühen und hohen Mittelalters denken lässt. Die im Format größeren dreizehn Originale sind im Hermann-Josef-Saal von Kloster Steinfeld fast vollzählig ausgestellt.

Die sechs hier ausgewählten Arbeiten sollen nur einen kleinen Eindruck geben vom Gesamtwerk: In der Mitte findet sich das Titelbild mit dem Westwerk der Basilika im Zentrum sowie Apfel und Rose als den Hauptsymbolen Hermann Josefs. Darunter sieht man das Inhaltsverzeichnis, unterlegt mit einer Darstellung der bekannten drei Rosen, die einerseits hinweisen auf den Mystiker, andererseits seine „Marienminne“ („meine Rose“) versinnbildlichen und so den Grundton für das Gesamtwerk geben. Zur Linken ist die Szene dargestellt, in der Hermann Josef einen Bauern bittet, ihn ins Gesicht zu schlagen, damit er so Demut einüben könne, an der es ihm fehle. Darunter findet sich die Darstellung von Hermann Josefs Todesstunde, in der er seinen Heimgang zu Gott mit christlicher Vorbildlichkeit annimmt.

Die obere Szene auf der rechten Seite zeigt, wie die erhöht im Standbild dargestellte Gottesmutter dem kleinen Hermann hilft, zu ihr hochzuklettern, und ihm gestattet, mit dem Jesuskind zusammen zu spielen. Darunter ist zu sehen, wie Maria „ihrem“ Hermann Josef in der Gestalt einer hässlichen, alten Frau erscheint, um ihn so zu ermahnen, dass er in seiner Verehrung nachgelassen habe, eine Verfehlung, die sie ihm durch diese Gestaltveränderung spiegeln wolle: Wer sie vergisst und vernachlässigt, für den erscheint sie so, wie sie behandelt wird. Hermann Josef war sogleich reumütig und nahm seine alte, intensive Marienverehrung wieder auf.

Die Künstlerin hat hier den Versuch unternommen, durch das Mittel einer weniger naturalistisch-konkreten Gestaltung, eher mit Andeutungen und Symbolen sowie der Verwendung verfremdeter mittelalterlicher Elemente arbeitenden Malerei für ein „altes Thema“ Aufmerksamkeit und neues Interesse zu wecken.

Text und Bild: Helmut J. Kirfel