Bauliche Spezialitäten in der GdG-Steinfeld: Antependien

Steinfeld. Vom Altarschmuck zur Kreuzgangdeko

An vier Stellen im Kreuzgang der Basilika Steinfeld finden sich auffällige Kunstwerke, die durch ihre niedrige Hängung unterhalb der Augenhöhe manchen Betrachter offenbar verstören. Denn oft fragen Besucher nach der Herkunft und dem Zweck dieser Objekte.
Sie sind genau in der Höhe angebracht, in der sie ursprünglich Verwendung fanden, nämlich als Antependien (lat. ante = vor; pendere = hängen), die die Vorderseite des Altares verdecken und schmücken sollten. Meist konnten sie auch mit wenigen Handgriffen ausgewechselt werden, wie heute noch vor dem alten Hochaltar in der Steinfelder Basilika.
 
Häufig findet man als Antependien Stoffbehänge oder auf hölzerne Rahmen gespannte Tücher, teils aufwändig bestickt oder auch bemalt. Für die Bemalung bieten sich auch alternative Materialien an. So gibt es auch Antependien aus Holz oder Metall wie im Fall des neuen Vierungsaltars in der Basilika. Mehrere der wertvollen, teilweise sorgfältig restaurierten historischen Steinfelder Antependien bestehen aus gepresstem Leder, mit Gold- bzw. Silber-„Farbe“ als Grundierung gestaltet.
 
Bei den dargestellten Motiven des breiten, für den Hochaltar bestimmten Antependiums dominieren neben den Füllhörnern die Rosen in renaissancehafter Manier. Auf diesem Hochaltarantependium umfließen sie eine Schriftkartusche, in welcher der Name „Maria“ in kunstvoller Verschlungenheit der Buchstaben erkennbar wird. Der Namenszug wird von einem Diadem bekrönt: ein Hinweis auf die Krönung der in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter, ein Motiv, wie es auch ganz oben über dem barocken Hochaltar zu sehen ist und im Zentrum der (zerstörten) Apsisausmalung zu betrachten war. Die Rose verweist wieder einmal auf den hl. Hermann Josef, der die von ihm als Mystiker in besonderer Weise verehrte Gottesmutter „meine Rose“ zu nennen pflegte.
 
Ein nach einem nur schlecht erhaltenen Original als Vorlage bemaltes Antependium ist neben dem Eingang zum Refektorium ausgestellt. Es zeigt die mit dem Altar als zentralem liturgischen Ort der Eucharistiefeier verbundenen Motive: das Kreuz mit dem lodernden Herzen statt eines Korpus (Opfer des Gottessohnes, Hingabe aus Liebe), den Kelch mit der strahlenumkränzten Hostie auf dem Messbuch oder dem Evangeliar sowie einen Anker als häufig verwendetes Sinnbild des Glaubens an das ewige Leben und der Hoffnung auf Rettung in der Auferstehung.
 
INTROIBO AD ALTARE DEI. AD DEUM QUI LAETIFICAT JUVENTUTEM MEAM.
ZUM ALTARE GOTTES WILL ICH TRETEN. ZU GOTT, DER MICH ERFREUT VON JUGEND AUF.
 
Text: Helmut J. Kirfel
Fotos: GdG-Steinfeld