Steinfelder Besonderheiten: Eine Nettersheimerin in einem von nur zwei bekannten Frauengräbern der Basilika Steinfeld?

Lange galt sie als „ältestes Grabmonument“ (Pfr. H. Berger) in unserer Basilika. Aus dem Jahr 1140 sollte sie stammen und das Grab einer Anna von Hausen vor dem Altar in der heutigen Norbertkapelle bedeckt haben. Heute ist diese mit dem Relief der Toten geschmückte, leider jedoch recht abgetretene Grabplatte aus rotem Sandstein an der linken Seitenwand der Kapelle aufgestellt. Diese Verstorbene hatte scheinbar ansonsten keine Spur hinterlassen.

Aber mehrere Umstände haben hier zu einer Korrektur geführt: Zunächst steht fest, dass die breite Inschrift an den Rändern der Platte im 12. Jh. mit Sicherheit in lateinischer Sprache abgefasst worden wäre. Der Text ist jedoch in Frühneuhochdeutsch, das vor der Mitte des 14. Jh. noch nicht entwickelt war. Und außerdem beruhte die „Entzifferung“ des Todesjahres durch Pfarrer Berger 1920 auf einem Irrtum. Der korrekte Text dieser Umschrift lautet vollständig: „anno 1540 aersten dach mertz starff de dugenhaftige jonfer anna van hausen wilcher seel rest im freden. amen +“ [Im Jahr 1540 am ersten Tag des Monats März starb die tugendhafte Jungfrau Anna von Hausen, deren Seele in Frieden ruhen möge. Amen“]

Mit dieser Verschiebung um 400 Jahre hat sich auch die vergebliche Suche nach der Identität der Verstorbenen völlig verändert. Denn um 1540 gab es in der näheren Umgebung Steinfelds eine sehr wohl bekannte „Anna von Hausen“. Sie war mit Johann von der Heyden genannt Neichtersheim verheiratet aus dem gleichnamigen Rittergeschlecht, das in Nettersheim (wahrscheinlich in der Nähe der Görresburg) seinen Herrensitz hatte, der leider nicht erhalten ist.

Aber diese 1512 geborene und seit 1532 verheiratete Anna kann nicht identisch sein mit der Toten in unserer Basilika. Denn die Umschrift spricht von einer „jonfer“, also einer adligen, unverheirateten Frau. Manches (beispielsweise die „Wolfsangel“ aus dem Wappen der mütterlichen Seite aus der Linie der Herren von Bübingen sowie anderes, das hier im Detail nicht ausgebreitet werden soll) spricht jedoch dafür, dass es sich um eine in der Familienforschung bisher noch nicht bekannte Schwester von Anna von der Heydens Vater gehandelt haben könnte, wegen der Namensgleichheit möglicherweise sogar um Annas Patentante.

Sollte sie dann auch noch eine Zeitlang vor ihrem Tod im Nettersheimer Haushalt der von der Heydens mitgelebt haben, könnten wir von einer neuen Überraschung sprechen: einer Nettersheimerin, die als eine von nur zwei bekannten Frauen in der Klosterkirche des prämonstratensischen Männerstifts Steinfeld ihre letzte Ruhestätte fand!

Bei aller Frömmigkeit (zu erkennen ist noch der Rosenkranz in Annas Händen) und auch wenn man die in der weiteren Familie nicht gerade selten zu findenden geistlichen Berufungen berücksichtigt: Johann von der Heyden dürfte sich diesen Begräbnisort – über die kunstvolle Grabplatte hinaus – einiges haben kosten lassen.

Text:        Helmut J. Kirfel

Foto:        Manos Meisen