Die Teilsanierung der König-Orgel läuft

Orgel ohne „Lenkrad“
Klaviatur und Pedale der Steinfelder König-Orgel werden saniert

Steinfeld. Die Steinfelder Orgel sieht derzeit aus wie ein sehr wertvoller Oldtimer ohne Lenkrad, ohne Gaspedal, Kupplung und Bremse. Noch bis Palmsonntag werden die Manuale und die Pedaltechnik überholt. Derzeit befinden sich die Manuale und Pedale der berühmten Steinfelder Balthasar-König-Orgel in der renommierten Orgelbauwerkstatt Weimbs in Hellenthal. Orgelbaumeister Frank Weimbs beschreibt das Problem: "Die Tasten, die 1981 von uns erneuert wurden, sind ausgespielt, sie sehen aus wie ausgetretene Treppenstufen. Die Tasten der drei Manuale sind aus Rinderknochen und wir müssen jetzt sehen, dass wir diese Beläge sowohl technisch als auch optisch wieder optimal herrichten." Tatsächlich hatten sich die Beläge der einzelnen Tasten in den vergangenen Jahrzehnten stark abgenutzt. Michael Pützer, Organist an der Basilika Steinfeld, weiß aus Erfahrung: "Es wird dann immer schwieriger, zu spielen, weisen die Tasten keine perfekte Oberfläche mehr auf. Auch klapperte und hakte die Tastatur." Was sehr unangenehm werden konnte. Drückt der Organist eine Taste herunter, die hängen bleibt und nicht wieder nach oben schnellt, dann bleibt der angeschlagene Ton wie ein Sinuston hörbar stehen, solange, bis die verklemmte Taste manuell wieder befreit wird. Vor einiger Zeit geschah dies bei einer Beerdigung, wie sich Pfarrer Wieslaw Kaczor, SDS, der Leiter der GdG Heiliger Hermann-Josef Steinfeld, noch etwas peinlich berührt erinnerte. Michael Pützer schilderte, wie hilflos sich ein Musiker fühlt, dessen Instrument eine kaputte Mechanik und somit eine gewisse Unspielbarkeit aufweist. Pützer: "Das macht total unsicher."

Da es sich bei der Steinfelder König-Orgel aus dem Jahr 1727 um ein weltweit bekanntes und begehrtes Instrument handelt, das rund ums Jahr von Organisten der Extraklasse aufgesucht und gerne in Konzerten gespielt wird, muss auch die Mechanik einwandfrei laufen. Der Preis dafür wirkt zunächst hoch: 20 000 Euro kostet die Überholung der Klaviatur. Doch wird der Aufwand, das Fachwissen und das Material dagegen gestellt, relativiert sich der Preis schnell. Eine große Spende sorgte dafür, dass ein Teil der Kosten bereits gedeckt ist. Zudem fließt das Geld, das die Orgel-Führungen einbringen, die Michael Pützer anbietet, ebenfalls in den "Orgel-Topf". Weitere Spenden für die Orgelaufarbeitung sind in Steinfeld immer willkommen. Frank Weimbs: "Nach Ausbau der einzelnen Spieltischteile und Neuschwärzen der Klaviaturbacken werden die vorderen Tastengarnituren erneuert und die Tasten neu justiert." Ausgespielte Ledermuttern und Filze werden gegen neue Teile ausgetauscht, gleiches gilt für die Pedale. Nach dem Transport in die Hellenthaler Werkstatt erfolgt der Rücktransport und der Wiedereinbau in das herrlich barocke Orgelgehäuse der Basilika.

Doch ist die turnusmäßige Aufarbeitung der Mechanik nicht die einzige Arbeit, die an der Orgel, an der Pfeifen zum Teil aus dem Jahr 1600 verbaut worden sind, vorgenommen werden müssen. Frank Weimbs: "In 80 Prozent der Kirchen erwartet uns Schimmel in den Orgeln. Inzwischen sind wir zertifizierte Schimmelsanierer." In Steinfeld herrscht eigentlich ein "super Klima", wie der Fachmann bescheinigt. 15 Grad Dauertemperatur und eine Befeuchtungsanlage sind da sehr hilfreich. Doch machen die warmen Winter und die heißen Sommer mit hoher Luftfeuchtigkeit den Instrumenten das Leben dennoch schwer. Im Winter kommen die Besucher nicht selten pitschenass in die Kirche, die Luftfeuchtigkeit nimmt dann noch zu. Lüftungsklappen wären von Vorteil, um das Grundproblem zu beheben. Auch die Steinfelder Orgel weist Schimmel auf. Kleine Stockflecken überziehen die inneren Hölzer. Auch diesbezüglich denken die Verantwortlichen an eine Reinigung. Eine Komplettreinigung der Steinfelder Orgel mit ihren rund 2000 Pfeifen würde mit 80 000 Euro zu Buche schlagen. Diese Arbeit wurde daher auch noch nicht in Auftrag gegeben. Solange die König-Orgel in der Basilika ohne Manuale und Pedale ihr Dasein fristen muss, spielt Michael Pützer an der kleinen Chororgel im Altarbereich der Kirche. Bei diesem ausgezeichneten Instrument handelt es sich um das Meisterstück von Frank Weimbs, das dieser vor rund zwei Jahrzehnten erfolgreich ablieferte. Doch wird der Moment umso schöner sein, wenn Palmsonntag die Königin der Instrumente von der Steinfelder Empore aus mit all ihren Klangfarben wieder ihre Stimme erhebt und ohne Worte, nur mit Musik, klar macht, warum es sich lohnt, ein derartig einmaliges Instrument zu hegen und zu pflegen.