1802 bis heute

Nach der Aufhebung der Abtei Steinfeld 1802 durch einen politischen Raubakt – der Besitz wurde von französischen Kommissaren versteigert und verschleudert und die Chorherrn wurden vertrieben – begann für das Kloster eine schwierige Zeit. Die Abteikirche blieb zwar als Pfarrkirche für die Ortsgemeinde erhalten, aber wer sollte sich um die große Klosteranlag kümmern

Über 120 Jahre blieb die Abtei in weltlichem Besitz und diente verschiedenen Zwecken. Nach langem Hin und Her übernahm der Preußische Staat das Anwesen und richtete 1844 im Kloster Steinfeld eine „Königlich-Preußische Erziehungsanstalt“ ein. Diese Nutzung entsprach sicher nicht den Vorstellungen für die Nutzung eines Klosters, aber so wurde wenigstens der totale Verfall verhindert.

1873 gab es einen schlimmen Brand des Dachgestühls und des Vierungsturms. Dies führte schließlich dazu, den Kölner Architekten und Diözesanbaumeister Heinrich Wiethase (1833 bis 1893)mit der Erneuerung der Westfassade zu beauftragen. Bei dieser Erneuerung (1884) bekam das Westwerk seine markante Gestalt mit den zwei hohen, runden Türmen. Bei der letzten Sanierung (2010) wurde es dann verputzt und erstrahlt nun – wie die ganze Basilika – in leuchtendem Weiß.  

Bis 1923 blieb die Erziehungsanstalt in Steinfeld, als die Salvatorianer das Kloster übernahmen. Die ersten Jahre waren für die Ordensleute sehr schwer, mussten sie doch die heruntergewirtschafteten Gebäude auf Vordermann bringen. Die Salvatorianer übernahmen die Pfarrseelsorge und errichteten gleich 1924 ein Gymnasium mit einem Internat vornehmlich für den Ordensnachwuchs. Durch den 2. Weltkrieg und die Nähe zum Westwall kam erneut eine schreckliche Zeit auf Kloster und Umgebung zu.

Nach dem Krieg konnte die von den Nazis geschlossene Schule wiedereröffnet werden und wurde 1958 zum Vollgymnasium ausgebaut (Schulneubau 1959 mit verschiedenen Erweiterungen bis 1985). Die Salvatorianer etablierten im Kloster Steinfeld einige apostolische Werke: Verlagsbuchhandlung (heute Klosterladen), Gäste- und Bildungshaus und Akademie Kloster-Steinfeld. Steinfeld wurde so wieder zu einem Zentrum der Bildung und Spiritualität, Kunst und Kultur über die Region hinaus.

Und so gilt der Ausspruch über Steinfeld in einer Festschrift von 1747 noch heute: „Das Haus auf dem Felsen, in dem das Licht wohnt, in dem kein Raum für Finsternis war, noch ist, noch sein wird.“