1184 bis 1802

Nach der Erhebung zur Abtei im Jahr 1184 hatte das Kloster Steinfeld viele Jahrzehnte eine friedliche Zeit, sich zu entfalten und wirtschaftlich zu sichern. Dem Auftrag des Ordensgründers entsprechend übernahmen die Steinfelder Chorherren die Seelsorge in der ganzen Region. So wurde Steinfeld bald zum Archidiakonat mit den Orten Steinfeld, Kall, Krekel, Reifferscheid, Ripsdorf und Sistig, wahrscheinlich auch Harperscheid, Hellenthal, Schleiden und Wildenburg. Außerdem übten die Steinfelder Prämonstratenser die Seelsorge in zahlreichen Pfarreien eines Gebiets aus, das von St. Dionysius in Krefeld bis nach Wehr bei Laach und bis an die Nahe im Süden reicht. 

Der spätere heilige Hermann Josef wird von Probst Ulrich in den Konvent aufgenommen, studiert in Mariengarten und ist bis zu seinem Tode Chorherr in Steinfeld. Seine Frömmigkeit und sein mystisches Charisma sind für seine Zeitgenossen so überwältigend, dass gleich nach seinem Tod (ca. 1241) eine nicht mehr endende Verehrung beginnt. Sicher hat dazu auch eine Vita beigetragen, die ein Mitbruder aus eigener Kenntnis kurz nach seinem Tod fertigte. 

Die Abtei war gefestigt, aber im 14. Jahrhundert folgten Krieg und Unruhen. Auch im Innern war nicht alles so, wie man es sich wünschen konnte. Missernten und Hungersnot wurden zur Plage der ganzen Region. So wurde man in Steinfeld gezwungen, einige Liegenschaften zu veräußern um zu überleben. Hinzu kamen die furchtbaren Auswirkungen der Pest, die auch vor den Toren des Klosters nicht Halt machten. Innerhalb von 47 Jahren residierten sechs Äbte. 

Auch die Steinfelder Chorherren gerieten in die Auseinandersetzung zwischen dem rechtmäßigen Papst Urban VI. und dem Gegenpapst Clemens VII. Steinfeld stand ganz auf der Seite des rechtmäßigen Papstes. So überfielen die Bretonen das Kloster, steckten die Kirche in Brand und schleiften die Mauern. Abt Gottfried Bongenberg (1381 bis 1388) wird verschleppt und ermordet. 

Nach diesen schlimmen Ereignissen bauten die folgenden Äbte mit der Gemeinschaft das Kloster Steinfeld wieder auf und führten es vor allem wieder zu einem religiösen und spirituellen Mittelpunkt der Nordeifel. Doch selbst einige Mitbrüder fanden die Reformen zu streng. Und so soll der Abt Jakob I. (1412 bis 1416) durch die Hand von zwei eigenen Mitbrüdern ermordet worden sein. Seine Nachfolger jedoch setzten das Reformwerk fort und so wird Steinfeld in seiner neuen Blüte zu einem der bedeutendsten Klöstern Deutschlands. 

Auch die Auseinandersetzungen in der Reformationszeit und der Dreißigjährige Krieg gingen nicht spurlos an Steinfeld vorüber. Dennoch war Steinfeld durch die Jahrhunderte auch ein Ort der Theologie. So gründete Abt Christoph Pilkmann aus Bonn (1606 bis 1630) für Klöster der rheinisch-westfälischen Zirkarie in Köln das Collegium Norbertinum. Weitere Äbte von Steinfeld stellten mehrfach den Rektor der Universität zu Köln. 

Auch in Steinfeld selbst zeigt sich die Bedeutung. Vor allem in den Jahren des Abtes Evermodus Claessen aus Gangelt (1767 bis 1784) wird Steinfeld renoviert, baulich erneuert und erweitert. Es erhält unter diesem Abt seine heutige Form bis hin zu der 1,6 km langen Umfassungsmauer mit dem großen Eingangstor, das auch heute noch die Besucher, Wanderer und Pilger mit offenen Toren empfängt.

Doch kaum war alles fertig gestellt, bereitete ein Napoleonisches Dekret im Jahre 1802 allem klösterlichen Leben ein gewaltsames Ende. Die Chorherren werden vertrieben, der letzte Abt Gilbert Surges (1790 bis 1802) wird der erste Pfarrer von Steinfeld. Die Klosterkirche wird zur Pfarrkirche und St. Andreas, die ältere (Pfarr)-Kirche, wird abgerissen. Der wertvolle Potentinus-Schrein wird nach Paris gebracht (heute im Louvre), die Bibliothek wird verschleudert bzw. verbrannt und die Ländereien werden parzelliert und ebenfalls verschleudert. Die Abtei selbst wird versteigert und kommt später in den Besitz des preußischen Staates.